Otto Hostettler's Blog

Archiv für die Kategorie ‘Konsum

Versteckspielen mit Nestlé

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Nestlés Kinder-Frühstücksflocken sind in vielen Fällen kräftige Zuckerbomben. Daran ändert auch der neuste PR-Feldzug des Nahrungsmittel-Konzerns nichts.

2013-01-23 16.13.20Die neuste Inseratekampage des Nahrungsmittel-Multi Nestlé suggeriert: Jetzt ist alles anders. «Weniger als 9 g. Zucker pro Portion», prangt in grossen Buchstaben. Dazu der Claim: «Die Lieblingscerealien Ihrer Kinder haben jetzt eine verbesserte Rezeptur …» Auf den Verpackungen prangt zudem prominent der Hinweis, die süssen Flakes würden 36 Prozent Vollkorn enthalten («Lion»).

Tönt gut. Aber: Wo ist der Zucker nur geblieben? Natürlich in den Frühstücksflocken. Die Flakes  «Lion» bestehen auch heute noch zu über einen Viertel aus purem Zucker (siehe hier). Trotz der von Nestlé gelobten «neuen Rezeptur». Vorher war es einfach noch schlimmer: Bisher vor kurzen hatten die «Lion»-Cerealien einen Zuckeranteil von über 35 Prozent. Bildlich ausgedrückt: Wer eine mittlere Schale Frühstücksflocken ass (50 Gramm), schluckte bisher auch gleich über vier Stück Würfelzucker. Neu sind es nur noch knapp vier Stück Würfelzucker.

Die neuste Werbebotschaft basiert – einmal mehr – auf schön gerechneten Fakten. Nestlé wählt die Portionengrösse so klein, dass der Anteil Zucker auf weniger als 10 Gramm fällt. Das klingt es fast so, als würde der Nahrungsmittel-Multi die Forderung der deutschen Konsumentenorganisation Foodwatch erfüllen. Sie verlangte jüngst, Frühstücksflocken sollten nicht mehr als 10 Prozent Zuckern enthalten. Jetzt prangt auf den Nestlé-Inseraten eine «9». Doch Nestlé spricht in der neusten Werbung nicht von Prozenten, sondern von Gramm. Diese bezieht sich auf eine – extrakleine – Portion von 30 Gramm. Diese Schönrechnungs-Methode wendet die Industrie bereits seit einigen Jahren an – offensichtlich erfolgreich (siehe hier).

 

Soviel Zucker enthalten Nestlé-Kinder-Frühstücksflocken:

Lion

Anteil Zucker neu: 29,2 % (bisher: 35,2%); entspricht fast 4 Stk. Würfelzucker (bisher fast 5 Stk)*

Nesquick Duo 

Anteil Zucker neu: 25% (bisher: 30.9%); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher fast 4 Stk)*

Nesquick  

Anteil Zucker neu: 25,2 % (bisher: 30,4 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher fast 4 Stk)*

Cookie Crisp

Anteil Zucker neu: 24,2 % (bisher34,4 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher über 4 Stk)*

Cini Mini    

Anteil Zucker neu 25,1 % (bisher: 32,1 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher 4 Stk)*

 

*) bei einer mittleren Frühstücksportion (50 Gramm)

(Zuckeranteil gemäss Angaben von Nestlé)

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Geschrieben von Otto Hostettler

23. Januar 2013 um 16:33

Mais fürs Bisi vom Büsi

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Statt auf dem Teller im Katzenklo: Die Landi vertreibt ein Katzenstreu, das aus Mais hergestellt wird – und sieht kein Problem dabei.

MaisernteDer grösste Teil der weltweiten Maisernte landet nicht auf dem Teller, sondern im Tank von Autos. Jener Teil, der Menschen ernährt, wird immer kleiner. Eindrücklich zeigt dies die Statistik der USA, grösster Maisroduzent der Welt:Im Erntejahr 2010/2011 verarbeiteten die USA 128 Millionen Tonnen Mais zu Ethanol, fünfmal so viel wie vor zehn Jahren. Nur etwa 35 Millionen Tonnen enden als Müesliflocken oder Stärke. Hilfswerke kritisieren, die Nachfrage nach Ethanol erhöhe die Preise für Mais. Das werde für die Ärmsten, die sich von Mais ernähren, immer mehr zum Problem.

In der Schweiz promotet beispielsweise die Landi ein Maisprodukt – als Einstreu im Katzenklo. Die Katzenstreu Biscat natur bestehe «zu 100 Prozent aus nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen», lobt die Landi. Klingt gut. Doch es handelt sich nicht um irgendeinen pflanzlichen Rohstoff, sondern eben um gemahlenen Mais. Anders gesagt: Katzen entleeren Blase und Darm also auf ein Nahrungsmittel.

«Das ist pietätlos», kritisiert Marianne Schmid (Name geändert). Sie kaufte in der Landi Schänis SG eine Packung und bemerkte zu Hause: «Das riecht und schmeckt wie Frühstücksmüesli.» Tatsächlich steht auf der Packung: «aus Mais und Getreide».

Bei der Landi sieht man kein Problem: Es handle sich um ein «Abfallprodukt». Bevor Mais zu Nahrungsmitteln verarbeitet werde, werde er gesiebt, dabei falle «Maisbruch» an. «Biscat-Naturkatzenstreu besteht zu 100 Prozent aus Maisbruch», sagt Landi-Sprecherin Sonja Schild. Dieser werde vermahlen, wodurch die «vielporige» Einstreu entstehe.

Ob es sinnvoll ist, Mais ins Katzenklo zu streuen, statt als Nahrungsmittel zu verwenden, beantwortet Sonja Schild nicht.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Beobachter 1/2013 (online nicht verfügbar)
(Bild: © mirpic – Fotolia.com)
 

Geschrieben von Otto Hostettler

11. Januar 2013 um 13:39

Veröffentlicht in Gesellschaft, Konsum, Wirtschaft

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Strom: Clever teilen spart Kraftwerk

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Mit einem virtuellen Kraftwerk liesse sich so viel Strom ins Netz einspeisen wie mit einem mittelgrossen ­Gaskraftwerk. Doch die Stromkonzerne setzen lieber auf Gas.

Stromversorgung - UmspannwerkDie Schweizer Stromwirtschaft hat ihr eigenes Rezept, um die Energiewende zu schaffen: Sie möchte die jahrzehntealten Atomkraftwerke durch neue Gaskraftwerke ersetzen. Vier, lieber fünf, noch besser sechs sollen es sein. Es gibt aber eine Alternative dazu, die bisher kaum diskutiert wurde: sogenannte vir­tuelle Kraftwerke.

Ihr Prinzip ist einfach, die Technik ­vorhanden, die Einführung überraschend günstig: Grosse Strombezüger werden mit einer intelligenten Computersteuerung untereinander vernetzt. Der Strom, der durch kurzzeitig nicht benutzte Motoren, Pumpen oder Kühlaggregate für Sekunden oder Minuten frei wird, kann praktisch in Echtzeit anderen Strombezügern geliefert werden, die just in jenem Moment einen höheren Bedarf haben. So lassen sich Lastspitzen brechen, die sonst durch ein konventionelles Kraftwerk produziert werden müssten.

Trotz grossem Potential steckt das so­genannte Lastspitzenmanagement in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Das einzige konkrete Projekt heisst Flex Last, wird vom Bundesamt für Energie gefördert und wurde im September mit grossen Worten angekündigt. Dahinter stehen neben IBM die Migros und der bernische Stromkonzern BKW. Als Strompuffer dienen hier die Kühlhäuser der Migros-Verteilzentrale in Neuendorf SO.

In eine andere Dimension will ein Projekt von Xamax vorstossen, einer auf Energie­effizienz spezialisierten Tochterfirma des Stromkonzerns Alpiq. Xamax bewirtschaftet und optimiert schon heute bei über 1000 Industrie- und Gewerbebetrieben (Spitäler, Milch-, Fleisch-, Getränkeverarbeiter, Hotels, grosse Industriebetriebe) den Stromverbrauch in Spitzen­zeiten. Beispielsweise lassen sich mit einer ausgeklügelten Steuerung die Öfen einer Gross­bäckerei kurzzeitig ausschalten, wenn sie gerade nicht heizen müssen, weil im Herstellungsprozess erst die Knet­maschinen laufen. Von der Reduktion solcher Verbrauchsspitzen profitieren Firmen doppelt: Sie sparen Stromkosten und verhindern erst noch, dass sie wegen steigenden Strombedarfs in ihre Infrastruktur investieren müssten.

Unter dem Namen Powerallianz will Xamax solche Betriebe jetzt gezielt zum virtuellen Kraftwerk vernetzen. Gemeinsam mit der Laufenburger Softwarefirma Senergy konnte die Alpiq-Tochter in ersten Tests zeigen, dass ein solcher Pool in der Praxis tatsächlich funktioniert. «In der Schweiz liegt ein beachtliches Potential einfach brach», sagt Projektleiter Rafael Osswald. Sein virtuelles Kraftwerk könnte mit den bestehenden Xamax-Kunden bereits etwa 150 Megawatt Leistung ins Schweizer Stromnetz einspeisen. Die Kosten schätzt er auf rund zwei Millionen Franken.

Doch das sei erst der Anfang. «Diese Leistung lässt sich mit geringem Aufwand vervierfachen», ist Osswald überzeugt. Das wäre fast die doppelte Leistung des AKWs ­Mühleberg oder würde einem Gaskraftwerk entsprechen, wie es von der Grössenordnung her nun für die Schweiz geplant ist. Noch im laufenden Jahr will Alpiq der ­na­tionalen Netzgesellschaft Swissgrid mit Tests die technische Machbarkeit belegen.

Fachleute haben hohe Erwartungen an solche Projekte, weil mehr Sonnen- und Windstrom zu Schwankungen im Netz führen wird. «Virtuelle Kraftwerke werden in Zukunft nötig sein, um das Stromnetz zu stabilisieren», sagt Matthias Gallus, Experte für Energieversorgung im Bundesamt für Energie. Tatsächlich steht die Strombranche vor einem radikalen Umbruch. Seit Jahrzehnten liefern Atom- und Wasserkraftwerke Grundstrom für Haushalte und die Industrie. Um den Spitzenverbrauch abzu­decken, produzierten Regelwerke (etwa Speicherkraftwerke) die zusätzliche elektrische Energie. Hat die Schweiz zu viel Strom oder ist der Strom im Ausland günstig zu haben, pumpen die Kraftwerke Wasser in höher gelegene Speicherseen. In nachfragestarken Zeiten wird das Wasser turbiniert – und der Strom teuer exportiert.

Dieses alte Modell funktioniert aber nicht mehr. Die Stromproduktion aus deutschen und italienischen Solaranlagen hat in den letzten zwei Jahren derart zugenommen, dass an schönen Tagen eine Menge Solarstrom ins Netz fliesst, die der 20-fachen Leistung des AKWs Gösgen entspricht. In den Mittagsstunden besteht also plötzlich nicht mehr ein für die Schweiz lukrativer Stromengpass, sondern ein Überangebot. «Es ist wesentlich effizienter, die Spitzen im Schweizer Stromverbrauch zu optimieren, als Ersatzkraftwerke auf Vorrat zu bauen», glaubt Projektleiter Osswald.

Vollständiger Artikel im Beobachter 23/2012.
 
(Bild: © strippenzieher – Fotolia.com)

Geschrieben von Otto Hostettler

4. Dezember 2012 um 17:34

Hipp: es geht auch ohne Zucker

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Zuerst der gezuckerte Kinder-Tee, jetzt die viel zu süssen Kinder-Frühstücksflocken: Hipp nimmt nach Kundenprotesten gleich zwei Produkte vom Markt.

Jetzt auch noch die «Knusperflakes»: Hipp stellt die Produktion von einem weiteren gezuckerten Kinderprodukt ein, wie die deutsche Konsumentenorganidation Foodwatch meldet. Die «Knusperflakes» wurden vom Baby- und Kindernahrungsmittelkonzern auch in der Schweiz verkauft, sie bestanden zu über einem Drittel aus purem Zucker (35 Prozent). Wer also eine mittlere Schale dieser Flocken isst, verschlingt auch unbewusst vier Stück Würfelzucker.

Nach breiter Kritik von Konsumenten hat die Firma Hipp, Herstellerin von Baby- und Kindernahrungsmitteln, bereits den Rückzug ihres Kinder-Früchtetee angekündigt. Der Instant-Tee, der explizit für Kleinkinder ab 8 Monaten gedacht ist und als «Durstlöscher» angepriesen wurde, enthält in einer 2-dl-Tasse mehr als zwei Stück Würfelzucker. Ernährungsfachleute bezeichnen solche gezuckerten Getränke als ungeeignet für Kleinkinder. Die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch verlieh Hipp für dieses Produkt sogar das Prädikat «dreisteste Werbelüge des Jahres» und deckte die Kindernahrungsspezialistin mit Sitz in der Schweiz mit tausenden Beschwerde-Mails ein.

Den Tee-Rückzug kündigte der Konzern nur versteckt an, in einer Meldung über einen neuen Kinder-Tee im Beutel – «ganz ohne Zuckerzusatz». Ganz nebenbei heisst es, dieser neue Tee im Beutel ersetze den bisherigen Instant-Tee, dessen Produktion «bis Ende Jahr eingestellt» werde. Die lapidare Begründung: «Viele Eltern wurden durch die öffentliche Kritik im Zuge der Zuckerthematik in jüngster Zeit verunsichert.»

Es kommt Bewegung in die Zucker-Produktepalette: Zuvor verkündete bereits Nestlé, bei ihren Kinder-Frühstücksflocken  nächstes Jahr den Anteil Zucker zu reduzieren. Dies klingt zwar gut, in der Realität sind die «Cini Mini», «Lion» & Co aber noch immer sehr süss («Das Dessert schon zum zMorge»). Kein Wunder: «Frühstücksflocken sind von der Zusammensetzung her nichts anderes als zerbrochene Guetsli, die in Milch aufgelöst werden», sagt die Aargauer Ernährungsberaterin Franziska Widmer, Vizepräsidentin des Fachverbands Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Geschrieben von Otto Hostettler

22. November 2012 um 07:32

Das Dessert schon zum zMorge

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Nestlé senkt den Zuckeranteil 
in Frühstücksflocken. Nun sind sie nicht mehr extrem süss, 
sondern nur noch sehr süss.

Jüngst hat Nestlé vollmundig angekündigt, ab 2013 den Zuckergehalt in ihren fünf Frühstücksflocken für Kinder um bis zu 29 Prozent zu senken. Das klingt gut. Doch die absoluten Zahlen relativieren die Sache: Alle fünf Nestlé-Sorten werden auch künftig zu über einem Viertel ihres Gewichts aus purem Zucker bestehen. «Lion» beispielsweise kommen noch immer auf einen Zuckeranteil von fast 30 Prozent.

Die Aargauer Ernährungsberaterin Franziska Widmer spricht zwar von einem «positiven Zeichen», sagt aber: «Realistischerweise lösen wir damit das Problem der übergewichtigen Kinder nicht.» Die Industrie habe «eine sehr starke Stellung», sie gehe leider nur «in winzigen Schrittchen» vorwärts. Immerhin stagniere seit drei Jahren der Anteil übergewichtiger Kinder, sagt die Vizepräsidentin des Fachverbands Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

«Solche Reduktionen entstehen entweder unter Druck der Konsumenten oder sind reine Marketingmassnahmen», sagt Heinrich von Grünigen, Präsident der Adipositas-Stiftung. Er ist überzeugt, dass die Nahrungsmittelkonzerne damit bloss versuchen, «regulatorischen Massnahmen» zuvorzukommen. So auch Nestlé.

Der Schweizer Multi betont ständig, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung sei. Entsprechend dick trägt er in der Werbung auf: «‹Lion› garantiert einen super Start in den Tag.» Und: «Ernährungsexperten empfehlen ein Frühstück auf der Basis von Getreide.» Da Nestlé-Flocken 35 Prozent Vollkorngetreide enthalten, preist die Firma die Zuckerbomben kühn als «vollwertig».

Was Nestlé nicht sagt: Einzelne Flocken bestehen aus mehr Zucker als Vollkorn. So stecken in den beliebten «Cini Mini» pro 30-Gramm-Portion acht Gramm Vollkorn­getreide – und 9,6 Gramm Zucker. Das Problem dabei: Die wenigsten Konsumenten – und Kinder schon gar nicht – sind sich bewusst, dass sie bei einer mittelgros­sen Schale dieser «Cini Mini» (50 Gramm) vier Stück Würfelzucker essen.

«Viel Zucker bringt viel Umsatz»

«Frühstücksflocken sind von der Zusammensetzung her nichts anderes als zerbrochene Guetsli, die in Milch aufgelöst werden», sagt Ernährungsberaterin Widmer. Zum Vergleich: Selbst wer statt Flocken eine Mousse au Chocolat zum Zmorge essen würde, nähme nicht mehr Zucker zu sich.

Den vollständigen Artikel findet sich im Beobachter 23/2012.

Bild: © Ildi – Fotolia.com
 

Geschrieben von Otto Hostettler

19. November 2012 um 17:42

Das Schwein im Pferd

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Wer Pferdefleisch kauft, muss damit rechnen, Schweinefleisch zu essen. Im Pferdelandjäger der Migros-Linie «Hors-Line» sind es über 10 Prozent.

Es gibt jene, für die ist Schweinefleisch auf dem Teller alles. Sie behaupten auch, Gemüse sei erst dann verträglich, wenn es zuerst durch den Saumagen gelangt sei. Es gibt aber auch andere, die essen einfach kein Schweinefleisch. Nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie es einfach nicht mögen. Sie kaufen dann beispielsweise lieber Rind, oder Pferdefleisch.

Doch manchmal wird das Schwein zum Pferd. Im «Pferdelandjäger» von der Migros beispielsweise steckt mehr als 10 Prozent Schwein. Alles ist natürlich sauber deklariert, nur kommt man bei den Nährwertangaben auf den ersten Blick nicht draus. Alleine der Name «Pferdelandjäger» suggeriert, von welchem Tier das Fleisch stammt. Vertrieben wird das Produkt zudem unter dem Label «Horse -Line».

Wer es genau wissen will, sucht den Herkunftsnachweis. Hier steht: «Hergestellt in der Schweiz mit Fleisch aus: siehe Rückseite». Die Migros macht es Konsumenten schwer. Um die Rückseite zu lesen, ist eine Lupe nötig: «Hergestellt mit Pferdefleisch aus Kanada und Schweinefleisch aus der Schweiz.» Aha. Wer sich noch ein paar Zeilen weiter durch die Kleinschrift quält, erfährt sogar, dass an den 160 Gramm Ursprungsgewicht der Anteil Schweinefleisch bei 20 Gramm liegt. Umgerechnet aufs Endgewicht (100 Gramm) entspräche dies einem Anteil von 12.5 Prozent.

Was für Konsumenten als Mogelpackung erscheint, rechtfertigt die Branche jeweils mit der kulturellen Tradition der Rezepte oder mit Gründen der Herstellung. So besteht auch die Kalbsbratwurst oft nur zur Hälfte aus Kalbfleisch. Der Rest ist meist midnerwertiges Schweinefleisch. Alles ganz legal. Trotzdem: Kalb ist nicht Schwein, Schwein ist nicht Pferd. Die Migros heisst ja auch nicht Coop, nur weil beide Grossverteiler in etwa das gleiche verkaufen.

Geschrieben von Otto Hostettler

7. November 2012 um 19:52

Ex-Lyoness-Partner fordern Geld zurück

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Die «Einkaufsgemeinschaft» Lyoness kommt nicht zur Ruhe: 54 Ex-Mitglieder 
fordern ihre gesamten investierten Gelder zurück.

Nach aussen ist das Bild perfekt: Lyoness nennt sich «Einkaufsgemeinschaft», bietet bei Firmen er­mäs­sigte Preise, verspricht verschiedene Boni und Rabatte – und ist karitativ tätig. So präsentierten sich Lyoness-Verantwortliche um Firmengründer Hubert Freidl (im Bild links) bei einem Spendenprojekt stolz mit Nobelpreisträger Nelson Mandela.

Doch hinter Lyoness verbirgt sich ein schwer durchschaubares Geschäftsmodell. Mitglieder können sich mit erzielten Rabatten auf Einkäufen «Einheiten» gutschreiben lassen, um weitere Prämien zu erreichen. Weil das zu lange dauert, wird den Mitgliedern in Seminaren empfohlen, solche «Einheiten» mit «Gutscheinanzahlungen» zu kaufen und dank neu geworbenen Mitgliedern und deren zugekauften «Einheiten» in der Hierarchie aufzusteigen und so noch höhere Prämien zu erreichen.

Eine ganze Reihe bisheriger Mitglieder glaubt nicht mehr an das Modell. Etwa Christian Koller*. Er hatte Lyoness innert eines Jahres 38’000 Franken überwiesen. Heute reibt er sich die Augen: «Ich darf gar nicht daran denken, wie naiv ich war.» Wie viele ist er überzeugt, vom System profitiere vor ­allem der enge Kreis um den österreichischen Firmenchef Hubert Freidl. Inzwischen fordern 54 Ex-Mitglieder investierte Gelder zurück – total über 420’000 Franken. Obwohl Lyoness die Rückzahlung schriftlich zusicherte, zahlte sie nur 75 Prozent der gesamthaft investierten Gelder aus. Jetzt fordert Koller seinen noch offenen Teil auf gerichtlichem Weg ein.

Ungemütlich wird die Situation für Lyoness auch wegen der verschärften Gesetzgebung in der Schweiz. Seit April können Firmen mit schneeballähnlichen Geschäftsmodellen wirkungsvoller belangt werden. Flugs hat nun Lyoness die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geändert. Auffällig: Verschwunden ist genau jener Artikel, der Mitgliedern bisher Ausstieg und Rückerstattung investierter Gelder ermöglichte. Lyoness Schweiz betont gegenüber dem Beobachter, Kulanzregelungen seien weiterhin möglich: «Wir können Ihnen versichern, dass wir für jedes Mitglied eine Lösung finden.»

Neu gibt es gar zwei Sorten Geschäftsbedingungen: Mitglieder kommen erst in den Genuss aller Lyoness-Vorteile, wenn sie die «erweiterten» Nutzungs­bedingungen akzeptieren. Erst hier wird auch das eigentliche Geschäftsmodell erklärt: Wer neue Mitglieder rekrutiert, steigt auf und kassiert mehr. Wer das höchste «Karrierelevel» 8 erreicht, dem winkt ein monatlicher ­Bonus von 75’000 Franken – zumindest in der Theorie.

Neuen Ärger kommt nun noch von einer anderen Seite: Die Revisionsfirma von Lyoness Europe und Lyoness International legte ihr Mandat nieder, wie die Handelszeitung schreibt.

Weitere Artikel zu Lyoness sowie ein Musterbrief zur Vertragskündigung finden sich hier.

Geschrieben von Otto Hostettler

31. Oktober 2012 um 17:35

«Gesundheit Sprechstunde»: Zum Schluss eine saftige Busse

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Seit Jahren wirbt die TV-Sendung «Gesundheit Sprechstunde» gesetzwidrig für Produkte und Sponsoren. Kurz bevor Ringier die Sendung einstellt, verhängt das Bakom noch eine saftige Busse.

«Gesundheit Sprechstunde», die von Ringier produzierte TV-Sendung auf SF1, hat ein weiteres Mal gegen die Radio- und TV-Gesetze des Bundes verstossen. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) als Aufsichtsbehörde in einer jüngst veröffentlichten Verfügung. Was das Bakom aber erst auf Nachfrage Preis gibt: «Gesundheit Sprechstunde» muss dem Bakom eine so genannte Verwaltungssanktion in der Höhe von 50’000 Franken sowie Fr. 13’230.- Verfahrenskosten bezahlen, wie die zuständige Stelle bekannt gibt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Die Gesundheitssendung aus dem Hause Ringier hat seit 2005 praktisch jedes Jahr gegen die Werbe- und Sponsoringbestimmungen des Bundes verstossen. Ende 2011 kam das Bakom zum Schluss, die TV-Sendung haben alleine zwischen September 2009 und März 2010 fünf Mal gegen das Gesetz verstossen, «wiederholt und in schwerer Weise» («Wiederholungstäterin Gesundheit Sprechstunde»). Die Masche ist immer die gleiche, Firmelogos werden unerlaubterweise ins Szene gesetzt, Produkte werden sloganhaft angepriesen und Sponsoren unzulässig ins Zentrum gerückt. Vor knapp einem Jahr zog das Bakom das bedenkliche Fazit, die Sendung habe «zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten». Damals musste «Gesundheit Sprechstunde» lediglich 7536.10 (und 2000 Franken Verfahrenskosten) bezahlen.

Das neuste Urteil gegen die von der Tierärztin Jeanne Fürst moderierte Gesundheitssendung wird wohl das letzte sein. Nicht etwa, weil sich die Verantwortlichen um Ringier-Kadermann Hans Jürg Deutsch geläutert sehen, sondern weil die Sendung Ende Jahr eingestellt wird.

 

(Bild: http://www.gesundheitsprechstunde.ch)

 

Geschrieben von Otto Hostettler

22. August 2012 um 12:02

Der Professor und seine Studie

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Ein Basler Uni-Professor kommt zum Schluss, Jugendliche wüssten zuwenig über die Gefahren von Sonnenbrand. Kein Wunder: Er ist Besitzer von Daylong und will vor allem Sonnencrème verkaufen.

Das Fazit einer Studie der Uni Basel ist erschreckend: Zwei Drittel von fast 900 befragten Kinder und Jugendlichen sind der Gefahren von Sonnenbrand zu wenig bewusst. Die meisten kennen zwar den Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Hautkrebs, viele wissen aber offenbar nicht, wie man sich richtig schützt.

Diese Erkenntnis sorgte in den letzten Monaten gleich mehrfach für Schlagzeilen, verschiedene Medien zitierten dazu auch den Studienleiter Professor Christian Surber. «20 Minuten» bezeichnete die Schüler-Befragung sogar als «einzigartige Studie» und transportierte unkritisch Professor Surbers Forderung, für eine bessere Aufklärung müssten Schulen einen «Hautpolizisten» einsetzen, analog zum Schulpolizisten.

Was nirgendwo stand: Das Ergebnis der Studie deckt sich ideal mit Christian Surbers anderen Tätigkeit: Er ist Aktionär, Verwaltungsrat und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Sonnencrème-Marktführer Daylong (Spirig Pharma AG). Die Resultate zeigen, wo das künftige Absatzpotenzial für seine Sonnencrème-Firma ist: bei den Kindern und Jugendlichen. Die Produkte dazu hat Entwicklungsleiter Surber bereits lanciert: «Daylong Baby» und Daylong Kids».

Surber sieht in seiner Doppelrolle kein Problem: «Meine Tätigkeit an der Uni Basel hat keinen Bezug zu Produkten der Firma Spirig Pharma AG.» Einen Interessenskonflikt gebe es nicht, weil keine Untersuchungen mit Produkten seiner Firma durchgeführt worden seien. Die Uni Basel lässt verlauten, es sei «nicht unüblich», dass Dozenten aus der Industrie an der Universität unterrichten. «Die Abgrenzung der verschiedenen Funktionen von Professor Surber ist geregelt».

Weshalb verschiedene Medien ausgerechnet über diese Sonnenschutz-Befragung derart ausführlich berichteten, ist nicht klar. Hinter der vielzitierten Studie steckt lediglich die Masterarbeit einer 24-jährigen Studentin von Surber. Die Uni Basel gibt an, Masterarbeiten in der Regel nicht zu veröffentlichen. Und doch hat es diese Schüler-Befragung in die medizinische Wochenzeitschrift  «Swiss Medical Weekly» geschafft – und drei Tage später ins «20 Minuten» und weitere Zeitungen. Die Berichte seien nicht auf seine Initiative hin entstanden, versichert Surber. «Die Medien sind auf uns zugekommen.»

(Bild: http://www.daylong.ch)
 

Geschrieben von Otto Hostettler

14. August 2012 um 15:48

Stromzähler bleiben noch lange dumm

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Statt intelligente Stromzähler 
zu fördern, finanziert der Bund eine 246’000 Franken teure ­Studie. Resultat: wenig Neues.

Der herkömmliche Stromzähler ist dumm: Er dient dem Elektrizitätswerk nur für die Jahresabrechnung. Beim intelligenten Stromzähler hingegen wird der Stromverbrauch den Konsumenten in Echtzeit und sehr detailliert dargestellt – so kann man Stromfressern im eigenen Haus auf die Schliche kommen. Zugleich wissen die Elektrizitätswerke, wer wann wo wie viel Strom bezieht, Angebot und Nachfrage können einander angepasst werden. Und Kunden könnten eine monatliche Abrechnung erwarten und wüssten somit regelmässig,  ob sie viel oder wenig Strom verbrauchen. So wie es eine Selbstverständlichkeit ist, Ende Monat über die Kosten für Handy und Festnetz Bescheid zu wissen.

Die neuste Studie des Bundesamts für Energie zu intelligenten Zählern ist 363 Seiten dick – lässt sich aber sehr kurz zusammenfassen: Es würde sich lohnen, solche Smart Meters flächendeckend einzuführen. Rund eine Milliarde Franken müsste investiert werden, der volkswirtschaftliche Nutzen – dank Stromeinsparungen – würde aber langfristig bis zu 2,5 Milliarden betragen.

Nur: Das wusste man bereits aus früheren Studien, Fachpublikationen und Expertisen. «Das ist alles längst bekannt», sagten mehrere Teilnehmer am Branchentreffen «Powertage» in Zürich. Eigentlich hatte sich die Branche vom Bund endlich klare Signale erhofft, wie die Smart-Meter-Technologie in der Schweiz konkret eingeführt werden soll. Doch dazu gab es nur schwammige Informationen. Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, kündigte verklausuliert an, nächstes Jahr werde eine Revision des Strommarktgesetzes gestartet.

Weil damit der langwierige politische Prozess erst am Anfang steht, wird auch der Strommarkt bis auf weiteres noch nicht liberalisiert. Damit können private Haushalte – anders als Grosskunden – ihren Stromlieferanten auch in naher Zukunft nicht selber wählen. Was heisst: Die Einführung intelligenter Zähler und intelligenter Stromnetze wird weiter hinaus­geschoben, obwohl es sie braucht. Ohne solche technologisch raffinierte Möglichkeiten werden Elektrizitätswerke in Zukunft nur schwer ein stabiles Stromnetz betreiben können. Denn das System wird mit jeder neuen Solar- und Windanlage, die Strom ins Netz speist, komplexer.

Die notwendige Technologie dazu gibt es längst, in verschiedenen Ländern wird sie schon heute eingesetzt. Nicht so in der Schweiz. Den Grund für die verzögerte Einführung sieht Beat Steiner, Smart-Grid-­Spezialist an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg, in «zu vielen regulatorischen, finanziellen und technischen Rahmenbedingungen». Steiner glaubt nicht mehr daran, dass bis in acht Jahren 80 Prozent der Strombezüger mit intelligenten Zählern ausgerüstet sind, wie das die EU fordert.

Vollständiger Artiker siehe Beobachter 13/2012
 

Geschrieben von Otto Hostettler

29. Juni 2012 um 20:56

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