Otto Hostettler's Blog

Strompreise: Die faulen Tricks der Stromkonzerne

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© Beobachter 2009

Ab dem 1. Januar gilt beim Strom der freie Markt. Resultat: Er wird für alle teurer. Dafür sorgen die Konzerne mit allen Mitteln. Denn eigentlich würden sie den Strom lieber ins Ausland verkaufen.

Der freie Strommarkt wird am 1. Januar 2009 mit einer Panne beginnen: Weil der Bundesrat in letzter Minute Massnahmen verfügte, um die happigen Preisaufschläge abzufedern, müssen die rund 900 Stromversorger gegen ihren Willen die Tarife neu berechnen. Erst im Frühling wird klar, wie stark die Preise steigen.

Dass der freie Markt höhere statt tiefere Preise bescheren wird, zeichnete sich bereits im Sommer ab. Über 2500 Personen haben inzwischen ihrem Ärger Luft gemacht und sich bei der neuen Regulationsbehörde Elcom (Elektrizitätskommission) beklagt. Haushalte müssen davon ausgehen, dass ihr Strom 10, 20 oder noch mehr Prozent teurer wird, Firmen klagen teils über Preiserhöhungen von 70 Prozent.

Während Haushalte bis auf weiteres von ihrem bisherigen Monopolanbieter abhängig bleiben, können Grossbezüger mit über 100’000 Kilowattstunden Jahresverbrauch den Lieferanten neu selber wählen. Zumindest theoretisch. In der Praxis funktioniert für viele der Markt nicht. Mehrere Grosskunden berichten dem Beobachter, weshalb sie den Strom wohl oder übel auch künftig vom bisherigen Monopollieferanten beziehen werden: Anfragen für Stromofferten blieben entweder unbeantwortet, oder aber der Preis fiel derart hoch aus, dass ein Vertragsabschluss nicht in Frage kam. «Mondpreise» nennt sich im Jargon ein solch überhöhtes Tarifangebot. Die betroffenen Firmen sprechen von kartellähnlichen Absprachen. Das Energieunternehmen Axpo bestreitet hingegen den Vorwurf: «Die wenigsten Schweizer Stromproduzenten haben genügend Strom, um neue Kunden ausserhalb der traditionellen Stammgebiete beliefern zu können», sagt Pressesprecherin Anahid Rickmann.

Im Ausland ist noch mehr Geld zu holen

Zudem: In mindestens zwei Fällen liessen hochrangige Vertreter von Stromkonzernen während Verhandlungen mit möglichen Kunden sogar unverblümt durchblicken, dass Schweizer Firmen als Kunden künftig gar nicht mehr attraktiv seien. Denn mit jedem Kunden, der hierzulande wegfalle, könne der frei werdende Strom auf dem internationalen Markt verkauft werden – natürlich zu höheren Preisen.

Viele Stromfirmen haben dank dem hochrentablen Stromgeschäft die Investitionen für das Netz weitgehend abschreiben können. Sprich: Die Konsumenten haben über ihre Rechnungen auch den Bau der Leitungen finanziert. Bei der Übergabe der Netze an die Swissgrid haben nun aber die Stromfirmen den Wert der Leitungen neu errechnet. Sie argumentieren, die Akten über den Bau und die Amortisation der Netze seien nicht mehr vorhanden. Folge: Die Leitungen werden ein zweites Mal amortisiert – erneut auf Kosten der Kunden.

Weiterlesen im Beobachter 26/08

(Bild: Jupiterimages)

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Written by Otto Hostettler

23. Dezember 2008 um 16:17

Veröffentlicht in Energie, Konsum, Strom

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