Otto Hostettler's Blog

Ernährungslehre à la Nestlé

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Nestlés brilliante PR-Abteilung: Öffentliche Institutionen wie das Spitalzentrum Biel verbreiten eine fragwürdige Werbe-Broschüre des Nahrungsmittelmultis.

pyramideLehrerinnen predigen die wissenschaftlich abgestützte Ernährungspyramide mittlerweile in jedem Kindergarten, jetzt macht sich auch Nestlé die breit akzeptierte Darstellung von gesundem Essen zu Nutze. Aber: Der Nahrungsmittelkonzern hat die Ernährungspyramide kurzerhand zu Firmenzwecken optimiert. Entstanden ist eine ratgebermässig aufgemachte PR-Broschüre unter den Titel «Verdauung gut – alles gut!».

Die wissenschaftliche Ernährungslehre stellt der Konzern so dar, dass man sich mehr oder weniger ausschliesslich mit Nestlé-Produkten ernähren soll kann. Die Pyramide basiert auf Wasser (Vitel, Contrex, San Pellegrino), Bouillon (Maggi) oder Kaffee (Nestcafé-Gold, Incarom, Nespresso). Bei der Ebene mit den Früchten und Gemüsen finden sich die Tiefkühlprodukte aus eigenem Haus (Findus). Weiter oben sind die Cornflakes (Nestlé-Fitness), Joghurt (LC1), Polenta (Maggi) oder Hamburger (Findus). Natürlich fehlen auch Mayonnaise (Thomy) und Süssgetränke (Nestea) nicht. Auf dem Gipfel platzierte Nestlé Cailler-Schokolade, Staldencrème, Pralinato-Glacé und ähnliches.

Auf der schönen Grafik steht aber kein Wort vom hohen Zuckergehalt der Cornflakes, kein Wort vom hohen Salzgehalt in den Fertigprodukten, kein Wort vom übermässigen Fett in der Mayonnaise und kein Wort von der verkappten Zuckerbombe Eistee. Würde Nestlé die ungesunden Nährwerte ausserdem mit dem Ampelsystem darstellen, wären auf den Produkten der Nestlé-Ernährungspyramide gleich eine Reihe roter Punkte zu vergeben. Doch die Nahrungsmittel-Industrie sträubt sich bekanntlich weiterhin, den Konsumenten übersichtliche Informationen zu liefern. Viel lieber stellt die Industrie ihre Produkte als gesund dar, statt den Kunden reinen Wein einzuschenken.

Ganz offensichtlich fallen auch Fachleute auf die als sachliche Übersicht aufgemachte PR herein. Zu finden ist das Nestlé-Produkteprogramm nämlich auch in öffentlichen Spitälern, beispielsweise im Spitalzentrum Biel. Mitten in den Faltblättern der zahlreichen nichtkommerziellen Beratungsstellen für Herz, Ohren, Augen, Übergewicht, Diabetes, werdende Mütter etc.

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Written by Otto Hostettler

14. August 2009 um 11:25

2 Antworten

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  1. Das ist wirklich eine Schweinerei! Meiner Meinung nach sollten diese Broschüren von Nestle verboten werden, da sie die wirklich lehrreichen Ernährungspyramiden eindeutig kopieren und deren Ruf schädigen. Da allgemein bekannt ist, dass Nestle ein unglaublich gewinnorientierter Konzern ist, sollten Institute bei dieser Firma besonders Acht geben!

    Frank

    16. September 2009 at 13:54

  2. […] Fazit des Versprechens: «Neue Rezeptur, gleicher Geschmack». Diese Sichtweise erinnert an die unsägliche Ernährungspyramide mit lauter Nestlé-Produkten, die der Konzern als objektive Gesundheitsinformation […]


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