Otto Hostettler's Blog

Wie Betrüger ticken

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© Beobachter 2010/Otto Hostettler

Thomas Knecht weiss genau, wie Wirtschaftskriminelle ticken. Der Psychiater hört sich seit 20 Jahren ihre Geschichten an. 

Anlagebetrüger erlebe ich durchwegs als kompetente, korrekte, wortgewandte, geschliffene Persönlichkeiten. Sie sind extrovertiert, geben sich offensiv, sie wollen überzeugen. Das psychiatrische Interview ist für sie wie ein Geschäft. Sie versuchen auch in dieser Situation, ihren Vorteil zu maximieren. Bei mir haben sie da allerdings weniger Glück. Sie präsentieren mir vor allem ihre Fassade, schildern, in welchem Superhotel sie sich mit Opfern getroffen haben, und erzählen mit prahlerischem Unterton von ihren teuren Autos.

Als Gutachter muss ich natürlich neutral und objektiv bleiben. Ich bin so etwas wie ein Erkenntnisgehilfe des Gerichts. Während meiner Zeit in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen habe ich inzwischen rund 1000 Gutachten erstellt. Darunter geht es immer wieder um Wirtschaftskriminelle, Anlagebetrüger und andere sogenannte Weisse-Kragen-Täter.

Es ist nicht meine Aufgabe, Betrüger mit Fragen in die Enge zu treiben. Aber sie müssen spüren, dass sie in mir keinen Komplizen haben. Umgekehrt darf ich nicht als Opfervertreter oder Ersatzankläger auftreten. Ich muss das Gegenüber animieren, möglichst viel von sich preiszugeben. Aber ich hüte mich davor, mit meiner Mimik und Gestik ein Delikt zu verurteilen.

Oft frage ich meine Klienten: «Haben Sie keine Gewissenskonflikte, wenn Sie sehen, wie viel Geld da verloren ging?» Oder: «Sie, ich möchte schon gern wissen, wie ein solches Geschäft genau funktioniert. Ich komme aus einer ganz anderen Welt.» Schliesslich sind sie ja tatsächlich Experten, allerdings gescheiterte. Es bringt nichts, sie zu fragen: «Sie wissen doch, dass dies oder jenes verboten ist?» Selbstverständlich weiss ein Anlagebetrüger sehr genau, dass er gegen das Gesetz verstossen hat. Aber dieses Wissen bestimmt nicht seine Handlungen. Typischerweise berichten Wirtschaftsbetrüger in den meisten Fällen gleich zu Beginn eines Gesprächs über ihre Delikte. Allerdings sprechen sie dabei nicht von einem Delikt, sondern von einer guten Tätigkeit, die leider von der Behörde oder der Polizei vermasselt wurde. Es heisst zum Beispiel: «Niemand hat wegen mir Geld verloren. Erst durch das Eingreifen der Justiz sind massive Schäden entstanden.»

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 1/2010

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Written by Otto Hostettler

7. Januar 2010 um 10:22

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