Otto Hostettler's Blog

Der Frust mit der Post

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© Beobachter 2010/Otto Hostettler und Matieu Klee

Nach dem Machtkampf muss die Post ihre wahren Probleme angehen: Die Kunden sind verärgert über den Leistungsabbau. Und die angestrebte Liberalisierung geht auf ihre Kosten.

An der Farbe kann es nicht liegen: Markenzeichen der Schwei­ze­rischen Post ist Goldgelb. Doch im Beratungszentrum des Beobachters häufen sich die Klagen über die Post. Es scheint, als ob sie ihr einst glänzendes Image verspielt hat. Anlass für den Beobachter, beim Meinungsforschungsinstitut Konso eine repräsentative Umfrage in Auftrag zu geben.

Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft. 44 Prozent finden, der Service der Post
habe sich in den letzten Jahren verschlechtert. Ein negativer Spitzenwert: Im Vergleich zur Post stehen sogar die ungeliebten ­Banken besser da – trotz Finanzkrise, UBS-Deba­kel und Abzocker-Boni. Wirklich gut ist nur das Image des öffentlichen Verkehrs.

Nur gerade ein Drittel der Befragten ist der Meinung, der Service der Post habe sich eher verbessert. Ähnlich wenig Boden gutmachen konnte nur die öffentliche Verwaltung, die von ihrem Unbeweglichkeits image nicht loskommt. Beim öffentlichen Verkehr ist es umgekehrt: Zwei Drittel finden, dessen Dienstleistungen hätten sich verbessert – trotz überfüllten Zügen und störungsanfälligem Netz.

Weshalb hat die einst geliebte Post ein so schlechtes Image? An der Qualität, die die Befragten etwa beim Pöstler erleben, kann es nicht liegen. Sie wird im bei solchen Umfragen üblichen Rahmen bewertet: 26 Prozent glauben, sie habe nachgelas sen, 16 Prozent, sie sei besser geworden. Die Mehrheit stellt keine Veränderung fest.

Eine Erklärung für das schlechte Image liefern die Antworten zum Preis-Leistungs-Verhältnis der Brief- und Paketpost. Für 50 Prozent hat sich dieses verschlechtert, 35 Prozent glauben, es sei gleich geblieben. Der Abbau des Angebots hat im Bewusstsein der Bevölkerung deutliche Spuren hinterlassen: Schliessung von Poststellen, aufgehobene Briefkästen, kürzere Öffnungszeiten – alles, ohne dass die Preise gesunken wären.

Würde da ein stärkerer Wettbewerb im Brief­markt etwas bringen? Eine Mehrheit von 58 Prozent verspricht sich Vorteile von einer solchen Liberalisierung, so die Umfrage. Eine trügerische Hoffnung, denn der Paketmarkt ist – unbemerkt von den meisten Konsumenten – längst offen. Seit 2004 herrscht hier Wettbewerb: Neben der Post buhlen heute 25 konzessionierte private Transporteure um Aufträge. Das Monopol des gelben Riesen beschränkt sich inzwischen nur noch auf Briefe, die weniger als 50 Gramm wiegen. Profitiert haben von diesem Wettbewerb bis jetzt nur die Grosskunden, also Banken, Versicherungen, Tele­komanbieter. Bei ihnen fallen rund drei Viertel der gesamten Postmenge an – und hier liefert sich die Post mit den Konkurrenten einen harten Preiskampf.

Kein Wunder, drückt die Wirtschaft weiter aufs Gas und will möglichst rasch die vollständige Liberalisierung der Briefpost. Der Paketmarkt sei heute für Firmenkunden eindeutig «in einem besseren Zustand» als noch vor zehn Jahren, sagt Dominique Reber, Geschäftsleitungsmitglied des Wirtschaftsverbands Economiesuisse. Dank Wettbewerb seien die Geschäftskunden im Paketmarkt zufriedener mit der Qualität der ­Dienstleistungen und mit den tieferen Preisen. Tiefere Preise? Gesunken sind sie nur für Geschäftskunden. Die Privatkunden zahlen noch immer gleich viel wie zur Zeit, als die Post noch das Monopol hatte.

20 Prozent des Paketmarkts haben priva­te Logistikunternehmen inzwischen ergattert. Haushalte aber sind offenbar so un­attrak­tive Kunden, dass sich 23 von 25 Post­konkurrenten ausschliesslich auf Firmenkunden beschränken. Nur DHL Ex­press und DPD nehmen überhaupt Pakete von Privaten entgegen. Ihr Netz aber ist dünn und dient vor allem dazu, Präsenz zu markieren: hier eine Papeterie in Rheinfelden AG, dort eine Druckerei in Gümligen BE. Die beiden Paketfirmen bringen es zusammen gerade mal auf rund 300 Annahmestellen. Im Vergleich dazu hat die Post trotz massivem Abbau mit 2408 Poststellen noch immer ein weitverzweigtes Netz.

Seit der Öffnung des Paketmarkts untersucht die Marktaufsichtsbehörde Postreg des Departements von Moritz Leuenberger regelmässig vor Weihnachten mit Stich­proben, ob die Konkurrenz spielt. «Kundschaft profitiert von der Marktöffnung im Paketmarkt», frohlockte die Behörde im Dezember. Tatsächlich? Die Preisunterschie­de zwischen DHL, DPD und Post sind für Privatkunden vernachlässigbar. So kostet eines der Testpakete bei der Post acht Franken, bei der privaten Konkurrenz DPD Fr. 7.80 und bei DHL Express Fr. 7.50. Echter Preiskampf sieht anders aus.

Würde da ein stärkerer Wettbewerb im Brief­markt etwas bringen? Eine Mehrheit von 58 Prozent verspricht sich Vorteile von einer solchen Liberalisierung, so die Umfrage. Eine trügerische Hoffnung, denn der Paketmarkt ist – unbemerkt von den meisten Konsumenten – längst offen. Seit 2004 herrscht hier Wettbewerb: Neben der Post buhlen heute 25 konzessionierte private Transporteure um Aufträge. Das Monopol des gelben Riesen beschränkt sich inzwischen nur noch auf Briefe, die weniger als 50 Gramm wiegen. Profitiert haben von diesem Wettbewerb bis jetzt nur die Grosskunden, also Banken, Versicherungen, Tele­komanbieter. Bei ihnen fallen rund drei Viertel der gesamten Postmenge an – und hier liefert sich die Post mit den Konkurrenten einen harten Preiskampf.

Kein Wunder, drückt die Wirtschaft weiter aufs Gas und will möglichst rasch die vollständige Liberalisierung der Briefpost. Der Paketmarkt sei heute für Firmenkunden eindeutig «in einem besseren Zustand» als noch vor zehn Jahren, sagt Dominique Reber, Geschäftsleitungsmitglied des Wirtschaftsverbands Economiesuisse. Dank Wettbewerb seien die Geschäftskunden im Paketmarkt zufriedener mit der Qualität der ­Dienstleistungen und mit den tieferen Preisen. Tiefere Preise? Gesunken sind sie nur für Geschäftskunden. Die Privatkunden zahlen noch immer gleich viel wie zur Zeit, als die Post noch das Monopol hatte.

Es ist absehbar, dass die Situation in einem vollständig freien Briefmarkt ähnlich sein wird. Den Konsumenten drohen dort vor allem Nachteile: Die Briefmenge – sie macht einen wichtigen Teil der Einnahmen aus – wird weiter zurückgehen. Dann wird die Post ihren Betrieb weiter rationalisieren müssen – sprich: Personal abbauen und neue Einnahmequellen erschliessen. Der vom inzwischen abgesetzten Post-Chef Michel Kunz eingebrachte Vorschlag einer Briefkastengebühr ist zwar vom Tisch, zeigt aber, wen die Post zur Kasse bitten möchte: Privathaushalte. Zugleich sieht die Post dort auch weiteres Sparpotential, wie ein Test in der Westschweiz zeigt. Dort wird versuchsweise den Privathaushalten die Post nur noch am Nachmittag zugestellt.

Ganz anders sieht es bei den Firmenkunden aus. Sie können auf noch tiefere Preise hoffen. Schon heute fordern sie von der Post Rabatte, in einem vollständig offenen Markt werden sie noch stärker darauf bestehen. Dass Kleinkunden Verlierer der Liberalisierung sind, bestätigt der Ökonom Patrick Zenhäusern. Er ist Mitautor einer vom Departement Leuenberger in Auftrag gegebenen Studie über die Marktöffnung im Postbereich. Die wichtigste Studie zum Thema überhaupt – auf sie stützt sich die aktuelle Diskussion. «Fällt das Briefmonopol, werden die Preise für Businesskunden tendenziell sinken, für Kleinkunden wohl nicht», prognostiziert der Ökonom.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 3/2010

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Written by Otto Hostettler

4. Februar 2010 um 09:13

2 Antworten

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  1. Super, dass das hier mal angesprochen wird. Mit Sicherheit wichtig, an dem Thema solltet Ihr dranbleiben. Ich meine, dass ich vor einigen Tagen an anderer Stelle etwas ähnliches gesehen habe.

    Gottreich Sperling

    17. März 2010 at 14:30

  2. Reformen hin oder her!
    Jedes Unternehmen wird wohl restriktiv handeln, wenn sich eine Krise einstimmt. Also nichts gegen all die aufgeführten Reformen der Post. Wenn dies aber auf Kosten des Konsumenten abgewälzt wird, dann hört der (Spar-)Spass aber langsam auf!
    Ich wollte heut morgen (Donnerstag) vor der Arbeit, extra früh (05:50) meine Post verschicken, damit sie auch ja morgen (Freitag ankommt). Ich staunte nicht schlecht, als ich auf unserem einzigen Briefkasten weit und breit vernahm, dass die Entleerung um 16:45 erst ist. Also machte ich mich auf den Weg zur Post selbst, denn die entleert häufiger dachte ich. Denkst de! Dieser Briefkasten wird erst um 18:00 entleert! Und das obwohl, der Briefkasten, an der Poststellenwand montiert ist! Mit den Pfingsten dazwischen käme der Brief erst nächsten Mittwoch an! Und trotzdem muss ich den A-Post tarif bezahlen. Eine Bodenlose Frechheit der Post! Früher wurde sogar unser verstecktester Briefkasten drei mal täglich geleert und nun, alles reduziert auf einen Kasten in der Umgebung und der wird genau dann geleert wenn es für A-Post eh zu spät ist!

    Alois, Zürich

    20. Mai 2010 at 06:09


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