Otto Hostettler's Blog

Stevia: Erst verteufelt, jetzt im Coop-Regal

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Erst noch vom Bundesamt für Gesundheit verboten, heute schon im Coop-Regal. Neue Wende in der absurden Geschichte des seit Jahrhunderten verwendeten pflanzlichen Süssstoffs Stevia.

So schnell kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seine Meinung ändern. Noch vor drei Jahren musste der Freiburger Getränkproduzent Umberto Leonetti auf Geheiss des BAG die Produktion seines Erfrischungsgetränks Storms einstellen. Der Grund: Der Saft enthielt den pflanzlichen Süssstoff Stevia. Der aus der südamerikanischen Pflanze gewonnene Süssextrakt ist bis zu 300 mal stärker als Zucker und wird beispielsweise in Japan seit Jahren in vielen Süssgetränken verwendet.

Hierzulande aber befand das BAG, die Unbedenklichkeit des Stoffs sei nicht erwiesen. Die Folge damals: Drogerien mussten das nicht nur bei Diabetikern beliebte Süsssmittel aus dem Sortiment entfernen. Auch ein Appenzeller Kleinunternehmer, der Stevia als «Mundspülung» verkaufte, entging den Argusaugen des BAG nicht. Der Beobachter berichtete.

Inzwischen liess sich die Schweizer Gesundheitsbehörde eines besseren Belehren. Die EU gab unlängst grünes Licht, das BAG schwenkte auf die neue Linie ein. Mit für den Durchbruch verantwortlich sein dürfte der belgische Biologieprofessor Jan Geuns, der der EU-Behörde seit Jahren aufzeigte, dass der süsse Pflanzenextrakt unbedenklich ist. Immer wieder wies er auf die zahlreichen Studien hin, die belegen, dass Stevia bedenkenlos als Süsstoff verwendet werden kann.

Wer in der Schweiz in den letzten Jahren Stevia kaufen wollte, musste auf deutsche Internethändler ausweichen. Einige Drogerien verkauften den Saft trotz BAG-Verbot weiterhin, meist in unhandlichen Flässchen mit einer Pipeten, als würde es sich um Medizin handeln.

Doch jetzt ist plötzlich alles anders: Die Alternative zum Zucker ist neu im Coop erhältlich. Der Detailhandelsriese promotet Stevia neuerdings mit dem Slogan «Naschen ohne schlechtes Gewissen». Erhältlich ist der Süssstoff als Pulver oder in Form kleiner Tabletten, die per Fingerdruck aus einem Dispenser fallen, genauso wie Assugrin. Die Stevia-Tabs stammen sogar aus dem Haus des Süssmittel-Herstellers Assugrin, der Hermes Süssmittel AG.

Ganz offensichtlich wittert der Assugrin-Hersteller mit seiner neuen Produktelinie ein einträgliches Geschäft. Entsprechend gestaltet sich der Preis. Eine Tablette des Assugrin-Klassikers kostet gerademal 1,5 Rappen. Eine Stevia-Tablette hingegen kostet 3,5 Rappen. Ein Dispenser des pflanzlichen Süssstoffs kostet demnach Fr. 7.10. Coop nennt das in der Werbung «Einführungspreis».

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Written by Otto Hostettler

12. März 2010 um 09:55

Veröffentlicht in Konsum, Wirtschaft

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13 Antworten

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  1. Habe gehört, dass Stevia-Pflanzen teurer sind als Zuckerrübe und Zuckerrohr. Dafür ist ihr Süssstoff um ein vielfaches stärker. Könnte es sein, dass ein höhrer Preis aufgrund der höheren Rohstoffpreise gerechtfertigt ist?

    Alexander

    23. März 2010 at 12:14

  2. Hallo Otto,

    danke für den Super Artikel. Bin sehr froh darüber das Stevia inzwischen leicht zugänglich ist. Leider kenne noch viel zu wenig Leute Stevia und dessen Tolle Wirkung. Baue daher das Portal Stevia Kaufen auf, um die Menschen über Stevia aufzuklären. Würde mich freuen, wenn Du mal vorbei schaust.

    Gruß
    Adina

    Adina

    1. Oktober 2010 at 18:10

    • Für die Schweiz gibt es nun auch einen Stevia-Webshop: http://www.stevia-kaufen.ch

      Habe dort bereits bestellt. War sehr zufrieden – schnell und gute Qualität.

      Beat

      2. August 2012 at 23:27

  3. Sehr schöner Beitrag! Ich bin seit einigen Monaten auch ein absoluter Stevia Fan!
    Ich würde gerne auch mit Stevia backen – ich habe gelesen, dass dies auch problemlos möglich sein soll (Quelle: http://www.steviakaufen.com/stevia-verwendung)
    Ist dem wirklich so? Hat jemand nähere Infos dazu?

    VG
    Meike

    Meike

    19. November 2010 at 14:20

  4. Liegt wohl schon bald an die 20 Jahre zurück, dass ich Steviablätter ein paar mal in meinem Bioladen gekauft habe. Zum Tee schmeckte es ganz gut, heute verzichte ich aber lieber ganz auf Süssstoffe. Die Geschichte rund um Stevia ist jedenfalls ein schönes Beispiel für den Einfluss der Landwirtschaft- und Lebensmittelindustrie.

    Harald Jenk

    26. Mai 2011 at 10:11

  5. Ich kann es mir auch nicht erklären, warum das so lange gedauert hat. Vergleicht man mal die Kosten im Gesunheitswesen, die ernährungsbedingt sind, müsste man eigentlich so schnell als möglich gesunde Alternativen, egal ob bei Süßstoff oder anderen Lebensmittel(zusätzen) sofort umsetzen. Zumal ja aus Asien bekannt ist, dass die von Amerikanern angebrachten Bedenken Stevia sei krebserregend nicht gehalten werden konnten.

    Grüße
    Peter

    Peter bei Stevia

    23. August 2011 at 13:39

    • Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien à la Zuckerindustrie beeinflusst den Staat. Klar fürchtet diese Branche um ihre (Subventions-)Pfründen. Vielleicht ist es aber auch einfach die gut schweizerisch-administrative Trägheit bzw. die Nicht-Entscheidungsfreudigkeit unserer Behörden.

      Otto Hostettler

      24. August 2011 at 08:57

  6. Die Steviaplanze wurde vor einigen Jhren nach einem Aertztekongress von 2 Aertzten bei einer Braseilianischem Naturvolk neu gefunden. Da die 2 Herren dachten das ist geund, super, da machen wir was fuer die Menscheit. Der USA Hersteller von Aspartam bekam Wind davon. Die untersuchten die Pflanze.
    Resultat: Schaedigt die Fruchbarkeit und veraendert die Genitalien!
    Danach wurde es in den USA verboten, die EU und die Schweiz folget sogleich.
    Stevia waere fuer Aspartem ein enormes Problem geworden (Aspartam Herstellen ist auch der Supporter der USA Diabetikerorganisation. Alles klar??
    (“Der Test wurde mit Maeusen durchgeguehrt, die bekamen ein Konzentrat das nicht als Konzentrat mehr als ihrem eigenen Gewicht entsprach”)

    Peter

    Schmid Peter

    6. März 2012 at 23:25

  7. Herr Hostettler, wie Sie in Ihrem Blog ja selbst schreiben, war sich das BAG bloss der Unbedenklichkeit von Stevia nicht sicher und hat deshalb den Wirkstoff nicht zugelassen. Damit hat das Amt korrekterweise einen Teil seiner Aufgabe erfüllt. Nun frage ich mich: Wo geschah nun die Verteufelung von Stevia? Habe Sie es nötig, solche irreführende Headlines zu benutzen?

    Manuel Koechlin

    20. April 2012 at 13:15

    • Guten Tag Herr Köchlin
      danke für Ihren Kommentar. Was genau an meinem Beitrag “irreführend” sein soll, geht aus Ihren Zeilen leider nicht hervor. Wie Sie ausserdem darauf kommen, dass das BAG sich der Unbedenklichkeit von Stevia nicht sicher gewesen sein soll und deshalb den Stoff nicht zugelassen habe, ist mir schleierhaft. Das BAG hat nämlich diesbezüglich gar nichts gemacht, sondern immer nur gewartet, was die EU macht. Die Unbedenklichkeit von Stevia ist seit Jahren durch eine Vielzahl von Studien bekannt. In vielen Ländern wird der Süssstoff seit Jahren im Massenmarkt der Süssgetränken eingesetzt (siehe auch hier: https://ottohostettler.wordpress.com/2007/08/29/stevia-ein-susses-kraut-sorgt-fur-saure-mienen/).

      Otto Hostettler

      22. April 2012 at 21:55

      • Sehr geehrter Herr Hostettler,
        Zitat aus Ihrem Beitrag: “Hierzulande aber befand das BAG, die Unbedenklichkeit des Stoffs sei nicht erwiesen.” Dieser Satz ist für mich gleichbedeutend damit, dass das BAG ob der Unbedenklichkeit nicht sicher war. Und nicht, dass das BAG überzeugt war, dass Stevia gesundheitsschädigend ist. Ich denke das ist doch ein grosser Unterschied. Deshalb, meine ich, kann man auch nicht schreiben, dass Stevia vom BAG “verteufelt” wurde. Ihren Beitrag finde ich ansonsten auch nicht irreführend, nur den Titel empfinde ich als unpassend.
        Freundliche Grüsse,
        Manuel Koechlin

        Manuel Koechlin

        28. April 2012 at 00:15

  8. Es gibt mittlerweile immer mehr Stevia Produkte auf dem Markt. Im lokalen Einzelhandel findet man aber nur selten wirklich reine Stevia Produkte. Aktuell nutzen wir das Pulver von http://www.steviago.de , das ist sehr ergiebig und schmeckt nicht bitter (auch ohne Zusätze). Ich hoffe das die Stevia Produkte in Zukunft auch im Einzelhandel etwas brauchbarer werden.

    Horst Fahrenschön

    27. Februar 2014 at 18:39


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