Otto Hostettler's Blog

Pensionskassen verweigern Rentern Altersguthaben

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© Beobachter 2010/Otto Hostettler

Pensionskassen schlampen und zahlen das Alterskapital von 40 Personen einem mutmasslichen Betrüger aus. Experte Ueli Kieser fordert deshalb nun: Sie sollen den Geschädigten das Geld rückerstatten.

Obwohl der Trick ganz einfach war, funktionierte er während Jahren. Als einstiger Bürochef des italieni­schen Gewerkschaftsberatungsbüros Inca stellte A. G. im Namen seiner Klienten bei den Pensionskassen Auszahlungsanträge und liess sich deren gesamtes Alterskapital auf sein privates Konto überweisen. Dazu fälschte er Unterschriften und Auszahlungs­anträge, und er besorgte sich gleich noch einen Stempel zur Beglaubigung der Unterschriften. Damit die Machenschaften nicht auffielen, zahlte er den Pensionären teils während Jahren Renten aus. Erst als die Zahlungen ausblieben, flog die Sache Anfang 2009 auf. A. G. wurde verhaftet (mehr zu diesem Fall hier und hier). Inzwischen wurde A.G. aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der renommierte Sozialversicherungsexperte Ueli Kieser analysierte – mit finanzieller Unterstützung der Stiftung SOS Beobachter – drei der 40 Fälle von Rentnern, die nun ohne Altersguthaben dastehen. Das Fazit des Rechtsanwalts: «In diesen Fällen haben die Pensionskassen die Auszahlungen zu wenig genau geprüft.» Kieser spricht von «auffälligen Unstimmigkeiten, die mit einer seriösen Kontrolle hätten entdeckt werden müssen».Die drei Musterfälle betreffen die Swiss Life, die Freizügigkeitsstiftung der UBS sowie die Stiftung Auffanggesellschaft BVG. Obwohl von Kieser mit den Fakten konfrontiert, weigern sich die drei Vorsorge­einrichtungen, für ihre Fehler geradezustehen und den Rentnern das Alterskapital auszuzahlen. Gegenüber dem Beobachter beteuern die drei Pensionskassen fast wortgleich: Man habe «die Sorgfaltspflichten stets wahrgenommen».
Vom mutmasslichen Betrüger hinters Licht führen liessen sich unter anderem auch die Axa Winterthur und mehrere Freizügigkeitsstiftungen von ZKB, Credit Suisse und der Neuen Aargauer Bank. Bei allen Vorsorgeinstituten versuchen die Betroffenen, ihr Alterskapital wieder zurückzu­erhalten. Doch bei allen beissen sie auf Granit. Marco Tommasini, Sohn eines betroffenen Rentners und Sprecher der Geschädigtengruppe: «Es ist unglaublich, wie sich die Pensionskassen aus der Verantwortung stehlen.»

Zum Beispiel der 67-jährige R. T. Er hatte bereits vor einigen Jahren mit Blick auf seine Pensionierung ein «Gesuch um Teilauszahlung der Altersleistung in Kapitalform» unterzeichnet. Seine Pensionskasse musste damit wissen, dass er nur einen Teil seines gesparten Kapitals als Barbetrag beziehen wollte. Trotzdem bezahlte Swiss Life dann das gesamte Sparkapital aus – auf das Bankkonto des mutmasslichen Betrügers, der ohne Wissen des Betroffenen und mit gefälschten Unterschriften die Auszahlung des gesamten Betrags eingeleitet hatte.

Sozialversicherungsexperte Kieser: «Im Vergleich zu einfachen Zahlungsaufträgen ist es erstaunlich, wie locker diese Pensionskassen grosse Summen auszahlen.» Offensichtlich ist keine der betroffenen Vorsorgeeinrichtungen auf die Idee gekommen, sich das Konto genauer anzuschauen, auf das sie Hunderttausende von Franken überwiesen. Meistens gab A. G. auf dem Auszahlungsantrag ein Konto bei der Aargauischen Kantonalbank an, lautend auf Inca, Zürich. Hätten die Pensionskassen dieses Konto geprüft, wäre schnell klar geworden, dass es sich um die private Bankverbindung von A. G. handelte.

«Offensichtlich braucht es wieder einmal ein Gerichtsurteil, um den Pensionskassen ihre Verantwortung aufzuzeigen», sagt Kieser. Bei den geprüften Fällen sieht er bei einem Gerichtsverfahren gute Chancen. Denn zum Schutz der Versicherten gelten hohe Anforderungen an Pensions­kassen: «Bei einem auch geringen Verschul­den sind die Vorsorge­einrichtungen verpflichtet, das Alters­kapital noch einmal aus­zuzahlen», so Kieser.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 9/2010

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Written by Otto Hostettler

28. April 2010 um 16:01

Veröffentlicht in Uncategorized

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