Otto Hostettler's Blog

Helikopterfliegen mit der Post

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Kunden der Post kennen das Bild: Vor dem Schalter stehen Regale voller Zeitschriften, Couverts, Handys, Veloklammern und Süsswaren. Wer einen Brief aufgeben will erhält einmal einen Beutel Katzenfutter, ein andermal ein Werbeheftli oder muss sich fragen lassen: «Haben Sie schon die neue Autobahnvignette?»

Neuerdings verkauft die Post über ihr Portal www.geschenkidee.ch auch so genannte «Erlebnisgutscheine», darunter auch Flüge. Für Fr. 510.– kann jedermann einen «Helikopter Schnupperflug» in den Schweizer Bergen buchen. Wer ihn absolviert, erhält ein Zertifikat. Der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness ist dieses Angebot ein Dorn im Auge, dieses «Abenteuer» vertrage sich nicht mit dem Umweltleitbild und der Umweltpolitik der Post, kritisiert sie.

Die Organisation, die immer wieder mit Aktionen gegen Heliskiing, Helibiking und Skydiving von sich reden macht, forderte von der «Leiterin Nachhaltigkeit» eine Erklärung – und erhielt die Antwort der PR-Abteilung. Diese begründet das kurioses Angebot so: «Der Rückgang im traditionellen Postgeschäft verlangt, vorausschauend zu handeln und neue Ertragsquellen zu suchen.» Papeterieartikel, Informatikprodukte, Handys oder eben besagte «Erlebnisgutscheine» würden «einen wesentlichen Beitrag zur Auslastung der Infrastruktur der Post», heisst es in der Stellungnahme.

Dazu wiederholt die Post, was sie im Zug der laufenden politischen Debatte um die Postliberalisierung laufend sagt: Das Postgesetz verpflichte die Post, die Grundversorgung landesweit kostendeckend anzubieten. Man könnte meinen, die Post pfeiffe aus dem letzten Loch und könne nur noch mit allergrössten Mühe – sprich mit dem Verkauf von Heftli, Snickers und Helikopterflügen ihre Schalter offen behalten. Doch die Situation ist ganz anders: Alleine aus der Grundversorgung schöpft die Post Jahr für Jahr satte Gewinne ab (der Beobachter berichtete).

Der unabhängige Postregulator trug die Zahlen zusammen:

2005: 711 Millionen Franken

2006: 769 Millionen Franken

2007: 801 Millionen Franken

2008: 856 Millionen Franken

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Written by Otto Hostettler

23. Juni 2010 um 10:23

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