Otto Hostettler's Blog

Abteilung Pressesprecher: Hoher Puls

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Noch bevor der aktuelle Beobachter ausgeliefert war, meldete sich ein erboster Sprecher der Luzerner Kantonsverwaltung: Es folgte eine Tirade von «Unwahrheiten» über «nicht recherchiert» bis «man hätte eben die Dienststelle so-und-so kontaktieren müssen».

Der Anlass für den erhöhten Puls des Pressesprechers: Der Beobachter berichtet, wie der Kanton Luzern neue Büros der Staatsanwaltschaft, die direkt neben der Bahnlinie gelegen sind, auf freiwilliger Basis und grossem finanziellem Aufwand gegen Elektrosmog abschirmt. Interessant ist dies insofern, als die Behörde in der Schweiz immer wieder mögliche Folgen von elektromagnetischen Feldern und hochfrequenter Strahlung verharmlost.

Am besten zeigt sich dies bei den Grenzwerten: Entlang von Bahnlinien gilt hinsichtlich der niederfrequenten Magnetfeldern nicht etwa der übliche Anlagegrenzwert von einem Mikrotesla (wie bei Hochspannungsleitungen und Trafostationen). Entscheidend ist der über 24 Stunden errechnete Durchschnittswert. Weil in der Nacht kaum Züge verkehren, überschreitet damit der entscheidende Wert den Grenzwert fast nie. In den neuen Büros neben der SBB-Linie Luzern-Olten aber betrug dieser 24-Stunden-Durchschnitt 1,9 Mikrotesla! Doch auch für solche Fälle gibt es in der Schweiz eine Regelung: Wenn die Anlage vor 2000 erstellt wurde (was bei den allermeisten Eisenbahnlinien der Fall ist), braucht niemand etwas zu unternehmen.

Die eigenen Büroräume will der Kanton Luzern trotz dieser Regelung «auf freiwilliger Basis» gegen Elektrosmog schützen. Insbesondere jene Anwohner von Eisenbahnlinien, die sich teils seit Jahren über hohe Magnetfelder beklagen und in den allermeisten Fällen gegen die Behörden keine Chancen haben, werden dies mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

Zurück zum Sprecher der Kantonsverwaltung: Selbstverständlich wurde die entsprechende Dienststelle vor der Publikation mit den Ergebnissen der Recherche konfrontiert, alle Aussagen der verantwortlichen Stelle liegen schriftlich vor. Es fragt sich also, wer genau hätte recherchieren sollen.

Lesen Sie den Artikel «Elektrosmog: Schutz für Gesetzeshüter» im Beobachter 17/2010

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Written by Otto Hostettler

19. August 2010 um 20:05

2 Antworten

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  1. Kann man diesen Wert auch selbst messen?

    Martin

    19. August 2010 at 22:59

    • Dazu benötigen Sie teure Messgeräte. Verschiedene Messtechniker bieten solche Messungen an. Aber Achtung: es gibt auch Scharlatane. Ein fachkundiger Messtechniker kann mit seinen Geräten niederfrequente Magnetfelder von hochrequenter Strahlung unterscheiden, die Frequenzen genau den unterschiedlichen Quellen zuordnen. Falls Sie Adressen benötigen, kann ich weiterhelfen.

      Otto Hostettler

      20. August 2010 at 08:42


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