Otto Hostettler's Blog

Bei der Ampel sieht das BAG nur noch rot

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Jetzt hat auch das Bundesamt für Gesundheit gemerkt, dass etwas weniger Salz im Essen der Gesundheit gut täte. Trotzdem sträubt sich das BAG gegen ein System, das den Konsumenten auf einen Blick sagen würde, ob ein Nahrungsmittel zuviel Salz, Fett oder Zucker enthält. Jetzt springt ein Onlinedienst in die Bresche.

Seit Jahren kritisieren Ärzte die viel zu salzreiche Ernährung. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat schon vor Jahren Alarm geschlagen: Die tägliche Salzaufnahme sei «viel zu hoch», hiess es vom renommierten Institut. Wissenschaftlicher Konsens ist: Hoher Salzkonsum kann den Blutdruck erhöhen und Erkrankungen am Herzen bewirken. Die «adäquate» Menge Salz pro Tag liegt gemäss Bundesinstitut für Risikobewertung für Erwachsene bei knapp 4 Gramm. Tatsächlich aber essen in der Schweiz erwachsene Männer durchschnittlich 10.6 Gramm, erwachsene Frauen 9.1 Gramm, wie das Bundesamt für Gesundheit nun aufgrund einer neuen Studie bekannt gab.

Jetzt hat auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemerkt, dass die gesundheitsgefährdende Ernährungsweise geändert werden müsste. Dazu liess die Behörde Vorschläge ausarbeiten, die das BAG nun PR-wirksam veröffentlichte. Und oh Wunder, was hat die Studie herausgefunden: Rezepturen könnten optimiert, Jungköche besser ausgebildet werden, eine Datenbank wäre nützlich, die den Salzgehalt von Produkten auflistet etc. Die Resultate der Studie sind Teil der «Salzsstrategie» und einem «nationalen Programm Ernährung und Bewegung».

Ernüchternd daran: All die im Auftrag des BAG erarbeiteten Fakten und Möglichkeiten wären eigentlich längst bekannt. Nicht das Salzen von selbst gekochten Menüs ist das Problem, sondern der zu hohe Salzgehalt vieler fertiger Lebensmittel. Brot, Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte aber auch alkoholfreie Getränke sind teils richtiggehende «Salzbomben». Und natürlich Convienience Food und vor allem Fast Food.

Kein Thema ist aber beim Bundesamt für Gesundheit eine bessere Information der Konsumenten: Die effektivste Möglichkeit, den Salzkonsum im Essen zu reduzieren wäre aber eine transparente Produktedeklaration. Das wäre keine Hexerei, Erfahrungen anderer Länder zeigen, wie Nährwerte so angegeben werden können, damit sie jedermann versteht. Das System heisst Ampel und zeigt Konsumenten auf einen Blick, welche Lebensmittel der Gesundheit nicht gerade förderlich sind. Diese farbliche Kennzeichnung, in England bereits vor Jahren eingeführt, zeigt Konsumenten auf einen Blick, ob ein Produkt in den Bereichen Salz, Fett, gesättigte Fettsäuren und Zucker ein zu hoher Gehalt (rot), ein mittlerer Gehalt (orange) oder ein niedriger Gehalt (grün) aufweist.

In den letzten Jahren hat sich das Bundesamt für Gesundheit gleich mehrmals gegen die Ampel ausgesprochen. Besser gesagt: Zuerst machte das Bundesamt gar nichts, dann versuchte man es mit einem eigenen Logo und schliesslich liess sich Gesundheitsbehörde von der Nahrungsmittelindustrie einreden, das Ampelsystem teile Lebensmittel in «gute» und «schlechte» Produkte ein. Auch wenn das Gegenteil zutrifft: Die Ampel würde es mündigen Konsumenten ermöglichen, selbst zu entscheiden, wie oft sie eine Fertigpizza (Fettgehalt: rot!) essen und dazu ein Süssgetränk (Zuckergehalt: rot!) trinken wollen.

Statt dessen hat es die Schweizer Gesundheitsbehörde verpasst, eine konsumentenfreundliche Nährwertkennzeichnung einzuführen. Man lehnt sich nun an das Deklarationsmodell der Industrie an, das die Nährwerte nicht nur auf 100 Gramm bezogen, sondern auch auf Portionengrösse umrechnen darf und so ins Verhältnis des täglichen Bedarfs setzt (Guideline Daily Ammount, GDA). Sprich: Die Industrie rechnet ihre Produkte gesund, wie der Beobachter 2008 schrieb. Eine andere Methode, damit alles viel schöner aussieht: Die Portionengrössen teils absurd gering berechnet. Damit tönt die Angabe einer Portion im Verhältnis zum täglichen Bedarf (z.B. Zucker) gar nicht so schlimm.

Was die Nahrungsmittelindustrie nicht auf die Packung drucken und das Bundesamt für Gesundheit nicht vorschreiben will, liefert die unabhängige Konsumenten- und Produkteplattform Codecheck.ch. Dort lassen sich inzwischen über 115’000 Produkte hinsichtlich ihrer tatsächlichen Nährwerte und problematischer Inhaltsstoffe (z.B. E-Nummern) nachschlagen Mit dem Codecheck-App können Konsumenten über ihr Mobiltelefon direkt im Laden Produkte scannen und haben so die Ampel zum Produkt direkt auf ihrem Handy.

iPhone-App: http://itunes.apple.com/ch/app/id359351047?mt=8

Android App: https://market.android.com/details?id=ch.ethz.im.codecheck&hl=de

 

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Written by Otto Hostettler

19. November 2011 um 15:12

Eine Antwort

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  1. Danke für den Tip!

    Rebecca Edelmann

    19. November 2011 at 16:37


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