Otto Hostettler's Blog

So einfach funktioniert der Kokain-Schmuggel

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Die Schweiz konsumiert jährlich rund 5 Tonnen Kokain. Die Nachfrage besorgen nicht nur «Bodypacker» mit verschluckten Fingerlingen, sondern auch Grossimporteure. Sie schmuggeln unverfroren hunderte  Kilos Kokain – als wärs die normalste Sache der Welt. Die Bananen-Connection.

So einfach funktioniert der Import von Kokain: Man wählt ein Produkt, das täglich tonnenweise in die Schweiz eingeführt wird, berücksichtigt die üblichen Handelswege, wickelt das Geschäft über einen Treuhänder mit guter Reputation ab, liefert der Bank für alles uns jedes Belege. Den happigen Gewinn schafft man zur Seite oder verprasst ihn.

Genauso funktionierte eine internationale Drogenbande, die mindestens 650 Kilo Kokain in die Schweiz importierte. Die Gruppe stand unter der Leitung eines hochrangigen Mitglieds eines kolumbianischen Drogenkartells, in der Schweiz stützte sich das Kartell auf eine ganze Reihe Helferinnen und Helfer. Recherchen des Beobachters zeigen eine straff geführte Organisation mit über 20 Beteiligten. Darunter mehrere Schweizer, Italiener, Kolumbianer, Ecuadorianer und Personen aus der Dominikanischen Republik.

Vermutlich war die Bande schon jahrelang aktiv. Ein Beteiligter glaubt, das Drogenkartell habe in den letzten zehn Jahren zwischen 3000 und 10’000 Kilo Kokain in die Schweiz geschleust. Damit ist vorderhand fertig, der kolumbianische Drahtzieher wurde in Spanien verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert, wie die Bundesanwaltschaft bestätigte. Er wartet auf seinen Prozess.

Aufgeflogen ist der Fall dank gross angelegten Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft – und der Unachtsamkeit eines Beteiligten. Er entsorgte zwei Mal fast 20 Tonnen grüne Bananen in einer Ostschweizer Kompostieranlage, worauf die St. Galler Staatsanwaltschaft von der eigenartigen Lieferung erfuhr.

Über eine inaktive Firma eines Immobilientreuhänders in Biel importierte die Bande mehrere Lieferungen mit jeweils 19 Tonnen Bananen. Aus Kolumbien wurden die Bananen nach Seebrügge verschifft, von dort mit dem LKW ins Zollfreilager Embrach ZH. In jeder Bananenschachtel lagen zwei Plastikbeutel Kokain, verborgen in den Kartonstreifen der Schachtelböden. In Embrach wurden die Kartonstreifen ausgepackt, zehnt Stück zusammengebunden und per Lieferwagen nach St. Gallen gefahren. Von dort gelangte der Stoff nach Zürich, Bern, teilweise nach Italien.

Die ausführliche Recherche über den grössten jemals in der Schweiz aufgedeckten Kokainschmuggel finden Sie im Beobachter 26/2011.
 
Hinweis: Die Recherche in der Dominikanischen Republik erfolgte zusammen mit dem Journalisten Cobus Coetzee von Investigative Dashboard.
 
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Written by Otto Hostettler

22. Dezember 2011 um 08:37

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