Otto Hostettler's Blog

Kirche «vergisst» Rathausen-Vergangenheit

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Direktor Anton S. war bei den Kindern gefürchtet wegen sei­ner drakonischen Strafen in der Erziehungsanstalt Rathausen Anfang der fünfziger Jahre. Nun ist er 96­jährig gestorben. In der Todesanzeige des Bistums Basel klafft im Lebenslauf eine Lücke: die Zeit in Rathausen.

«Für alle Kinder, die unter Anton S. gelitten haben, ist das ein Affront», sagt ein 78­jähri­ ger ehemaliger Bewohner. Wie schon sein Vorgänger habe S. immer wieder «brutal» zuge­schlagen, auch bei Mädchen. «Sie mussten sich auf den Tisch legen und den Hintern frei ma­chen. Dann kam Direktor S. mit dem Stock.» Betroffene berich­ten aus dieser Zeit von zahlrei­chen physischen, psychischen und sexuellen Übergriffen.

Die Todesanzeige führt Bischof Felix Gmür als Erstunterzeich­ner auf. Es sind alle priesterli­chen Stationen von S. aufgelis­tet, ausser der Direktorenstelle in Rathausen. Das Bistum gibt an, er sei in dieser Zeit Vikar in Basel gewesen. Darauf ange­sprochen, lässt Bischof Gmür ausrichten, dem Bistum sei nicht bekannt, wer den Auftrag für die Anzeige erteilt habe.

Für den ehemaligen Kinder­heimbewohner ist klar: Die Kir­che wolle nicht zur Rathausen­ Vergangenheit des Priesters stehen. Das Heim wurde bis in die siebziger Jahre vom Kloster Ingenbohl geführt, als Direktor amtete jeweils ein Priester. Das Kinderheim steht zurzeit im Zentrum einer Untersuchung des Kantons Luzern über die damaligen Zustände. Sie soll auch die Hintergründe zu meh­ reren Todesfällen aufklären, darunter wahrscheinlich auch Suizide. Auch die vom Kloster Ingenbohl beauftragte Kom­mission hat mit der Aufarbei­tung der düsteren Vergangen­heit begonnen.

 

(Bild: http://www.kinderheime-schweiz.ch)
 
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Written by Otto Hostettler

2. Februar 2012 um 14:49

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