Otto Hostettler's Blog

Der Professor und seine Studie

with 2 comments

Ein Basler Uni-Professor kommt zum Schluss, Jugendliche wüssten zuwenig über die Gefahren von Sonnenbrand. Kein Wunder: Er ist Besitzer von Daylong und will vor allem Sonnencrème verkaufen.

Das Fazit einer Studie der Uni Basel ist erschreckend: Zwei Drittel von fast 900 befragten Kinder und Jugendlichen sind der Gefahren von Sonnenbrand zu wenig bewusst. Die meisten kennen zwar den Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Hautkrebs, viele wissen aber offenbar nicht, wie man sich richtig schützt.

Diese Erkenntnis sorgte in den letzten Monaten gleich mehrfach für Schlagzeilen, verschiedene Medien zitierten dazu auch den Studienleiter Professor Christian Surber. «20 Minuten» bezeichnete die Schüler-Befragung sogar als «einzigartige Studie» und transportierte unkritisch Professor Surbers Forderung, für eine bessere Aufklärung müssten Schulen einen «Hautpolizisten» einsetzen, analog zum Schulpolizisten.

Was nirgendwo stand: Das Ergebnis der Studie deckt sich ideal mit Christian Surbers anderen Tätigkeit: Er ist Aktionär, Verwaltungsrat und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Sonnencrème-Marktführer Daylong (Spirig Pharma AG). Die Resultate zeigen, wo das künftige Absatzpotenzial für seine Sonnencrème-Firma ist: bei den Kindern und Jugendlichen. Die Produkte dazu hat Entwicklungsleiter Surber bereits lanciert: «Daylong Baby» und Daylong Kids».

Surber sieht in seiner Doppelrolle kein Problem: «Meine Tätigkeit an der Uni Basel hat keinen Bezug zu Produkten der Firma Spirig Pharma AG.» Einen Interessenskonflikt gebe es nicht, weil keine Untersuchungen mit Produkten seiner Firma durchgeführt worden seien. Die Uni Basel lässt verlauten, es sei «nicht unüblich», dass Dozenten aus der Industrie an der Universität unterrichten. «Die Abgrenzung der verschiedenen Funktionen von Professor Surber ist geregelt».

Weshalb verschiedene Medien ausgerechnet über diese Sonnenschutz-Befragung derart ausführlich berichteten, ist nicht klar. Hinter der vielzitierten Studie steckt lediglich die Masterarbeit einer 24-jährigen Studentin von Surber. Die Uni Basel gibt an, Masterarbeiten in der Regel nicht zu veröffentlichen. Und doch hat es diese Schüler-Befragung in die medizinische Wochenzeitschrift  «Swiss Medical Weekly» geschafft – und drei Tage später ins «20 Minuten» und weitere Zeitungen. Die Berichte seien nicht auf seine Initiative hin entstanden, versichert Surber. «Die Medien sind auf uns zugekommen.»

(Bild: http://www.daylong.ch)
 
Advertisements

Written by Otto Hostettler

14. August 2012 um 15:48

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Aber das ist doch „normal“: fast alle Studien werden von irgendwelchen Firmen bezahlt, damit ihre Kasse Sprünge nach oben wie junge Lämmer macht 😉

    Laurence Wuillemin

    14. August 2012 at 16:11

    • Ja, leider herrscht überhaupt kein Untrechtbewusstsein. Und auch keine Transparenz.

      Otto Hostettler

      14. August 2012 at 16:36


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s