Otto Hostettler's Blog

So fertigen Pressestellen Journalisten ab

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Wer glaubt, Firmensprecher würden Anfragen individuell bearbeiten, liegt falsch. Bei einem Grossverteiler werden Journalisten mit einer «Sprachregelungsdatenbank» abgefertigt.

Es ist der Job eines Pressesprechers, «sein» Unternehmen im besten Licht darzustellen. Tagtäglich verwedeln sie deshalb kritische Anfragen von Journalisten, fertigen sie mit Standardantworten ab. Immer höflich und korrekt im Umgang. Längst bereiten sie sich bis ins letzte Details auf alle möglichen Anfragen vor. Ein Schweizer Grossverteiler führt dazu sogar eine offensichtlich umfangreiche «Sprachregelungsdatenbank». Daraus wird klar: Statt die Anliegen der Kunden ernst zu nehmen und Fragen konkret zu beantworten, übernehmen sie die Vorgaben einer Maschine und beschränken ihre Tätigkeit auf «Copy-Paste». Das Resultat: eine Ansammlung aus Allgemeinplätzen.

Es war eine einfache und konkrete Anfrage zu einem neuen Label des besagten Grossverteilers. In der E-Mail-Antwort des Pressesprechers blieben dann aber ausgerechnet jene Zeilen erhalten, die der Mitarbeiter der Medienstelle einem internen Sachbearbeiter schrieb und nicht für den Journalisten gedacht war: «Die erste Frage habe ich mittels Sprachregelungsdatenbank beantwortet.»

Was in diesem Beispiel herauskam, könnte nichtssagender nicht sein: «Unser Unternehmen geniesst generell hohes Vertrauen. Dieses wollen wir weiter stärken. Oberste Priorität hat dabei die Zufriedenheit der Kundinnen und Kunden. Diese erreichen wir unter anderem mit mehreren Qualitätskontrollen. Trotzdem kann es natürlich vorkommen, dass irgendwo ein Qualitätsmangel vorliegt – denn die absolute Sicherheit gibt es nicht (…).» Er hätte auch schreiben können: «Blabli bla bla.»

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Written by Otto Hostettler

5. September 2012 um 16:05

Veröffentlicht in Wirtschaft

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2 Antworten

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  1. Warum nicht den Namen des Grossverteilers nennen?

    Ronnie Grob

    5. September 2012 at 17:11

  2. So guet 🙂 Und ich gebe mir immer Mühe, korrekt und ausführlich auf Anfragen von Schurnis zu antworten. Ich glaub‘ ich baue jetzt dann auch so ein Phrasenbuch auf und sende dann die Antworten auf einem A4-Blatt mit Böxli zum „bitte hier ankreuzen“. Vielleicht gibst du dich das nächste Mal als Konsument aus und verlangst nach dem Produkteverantwortlichen. So kannst du die Phrasenabteilung eventuell umgehen .. Viel Glück!

    stoneysteiner

    6. September 2012 at 05:46


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