Otto Hostettler's Blog

Tatort Kinderheim: Die düstere Rolle der Kirche

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Jetzt hat sich auch die Luzerner Behörde vergewissern können, was Betroffene seit Jahrzehnten schildern: Kinder wurden in Heimen systematisch verprügelt, gedemütigt, missbraucht. Ein Forschungsbericht listet erschreckende Einzelheiten. Für eine Entschädigung der Opfer sieht Luzern hingegen keine Rechtsgrundlage.

In den Kinderheimen des Kantons Luzern stand über Jahrzehnte hinweg an vorderster Front die katholische Kirche. Es waren Ordensschwestern, die Buben und Mädchen dazu zwangen, ihr Erbrochenes zu essen, die ihnen zur Strafe kein Essen mehr gaben oder sie tagelang ins «Chruzi» sperrten, wie der kleine fensterlose Raum in der berüchtigten Anstalt Rathausen genannt wurde. Es waren nicht zuletzt auch die beiden katholischen Priester, die über Jahre hinweg für solche Gewaltorgien verantwortlich waren und auch Kinder sexuell missbrauchten. Viele wussten davon, niemand unternahm etwas dagegen (Schlussbericht_Kinderheime_Luzern). Im «Beobachter» schilderte ein Bewohner seine Geschichte.

Besonders bitter für die Betroffenen: Die beiden ehemaligen Rathausen-Direktoren, die in der Luzerner Forschungsarbeit genannt und thematisiert werden, erlebten die historische Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit nicht mehr. Direktor Anton S. starb erst vor wenigen Monaten. In der Todesanzeige waren seine Rathausen-Jahre nicht erwähnt, ganz offensichtlich wollte sich die katholische Kirche dieser Vergangenheit nicht stellen. Im Nachhinein wollte niemand für die Todesanzeige verantwortlich sein, Erstunterzeichner war Bischof Felix Gmür. Er sagte gegenüber dem Beobachter, es sei nicht klar, wer die Todesanzeige zu verantworten habe.

Während der Kanton Luzern zusammen mit der katholischen Kirche Luzern mit ihrem Bericht zur historischen Aufarbeitung der Geschichte beitragen, drücken sich andere weiterhin um ihre Verantwortung. Wie und wann das Kloster Ingenbohl ihre angekündigte historische Aufarbeitung präsentiert, ist nicht klar. Still wurde es auch um die Heilsarmeee. Vor bald zwei Jahren kündigte sie eine historische Untersuchung an, was inzwischen passiert ist, ist ebenfalls unklar. Wie das Kloster Ingenbohl führte auch die Heilsarmee jahrzehntelang in verschiedenen Gebieten der Schweiz Kinderheime. Schlagzeilen machte etwa das Kinderheim Paradies in Mettmenstetten, mehrere Zeitzeugen erzählten erschütternde Erlebnisse.

Written by Otto Hostettler

16. Oktober 2012 um 17:40

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