Otto Hostettler's Blog

Neue Anlaufstelle für Opfer von Zwangsmassnahmen

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Der Urner alt-Ständerat Hansruedi Stadler wird Delegierter des Bundesrats für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der düsteren Geschichte.

stadlerWährend Jahrzehnten hatte die Behörden kein Ohr für ihre Anliegen. Ungezählte Verdingkinder, in Anstalten und Gefängnissen versorgte Menschen, zwangssterilisierte Frauen und geschlagene und missbrauchte Heimkinder fordern seit Jahren die Aufarbeitung der mehrfach menschrechtswidrigen früheren Zwangsmassnahmen. Jetzt setzt Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit einem einzigen Personalentscheid ein wichtiges Zeichen hinsichtlich einer weiteren Aufarbeitung dieser Geschichte: Sie ernannte den Urner alt-Ständerat Hansruedi Stadler zum «Delegierten für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen». Er soll für die Betroffenen «Ansprechperson» sein und «ihre Anliegen koordinieren», liess Sommarugas Justiz- und Polizeidepartement verlauten.

Gleichzeitig kündigt Sommaruga einen weiteren – für die Betroffenen wichtigen – Schritt an: Am 11. April 2013 will Sommaruga einen Gedenkanlass für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen durchführen. Bisher war lediglich von einem Anlass für die tausenden von Verdingkindern die Rede. «Das Schicksal der Verdingkinder lässt sich nicht von jenem weiterer Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen trennen», heisst es in der Mitteilung des Justiz- und Polizeidepartements weiter. Sommaruga schliesst also sowohl Heimkinder als auch die Zwangssterilisierten mit ein, aber auch die zahlreichen Mütter, denen man die Kinder – teils aus nichtigen Gründen – weggenommen und gegen ihren Willen zur Adoption freigegeben hatte. Eine davon ist Margrit Schweizer. Bis heute suchen solche Frauen nach ihren Kindern, doch das aktuelle Adoptionsrecht verunmöglicht ihnen, mit ihren Kindern in Kontakt zu treten (siehe Beobachter 25/2012).

Einen ähnlichen Anlass wie ihn nun Bundesrätin Sommaruga plant, hatte ihre Departementsvorgängerin Eveline Widmer-Schlupf vor zwei Jahren im Frauengefängnis Hindelbank durchgeführt und sich dort öffentlich für das Verhalten der damaligen Berhörden entschuldigt. Jugendliche Frauen und Männer wurden einst in geschlossene Anstalten und Gefängnisse gesteckt – ohne Justizverfahren und ohne dass sie eine Straftat verübt hatten. Einen «liederlichen» Lebenswandel reichte.

(Bild: Parlamentsdienst)
 

Written by Otto Hostettler

21. Dezember 2012 um 18:11

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