Otto Hostettler's Blog

Schmieren und salben hilft allenthalben

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Die Muskelcrème Perskindol kann auch Kopfschmerzen bereiten: Der Pharmabereich der Galenica-Gruppe kleistert die Plakatwände zu und stopft die Apotheken mit Werbung voll – Personal inklusive.

perskidolBescheidenheit ist kein Kernelement der aktuellen Werbekampagne des Pharmakonzerns Vifor. Für eines seiner bekanntesten Produkte, die Muskelcrème Perskindol, kleistert der Pharmabereich der Galenica-Gruppe derzeit die Plakatwände zu. Mehr noch: Wer Apotheken betritt, muss sich teils buchstäblich durch einen gelb verbarrikadierten Eingang kämpfen. Hinter dem Tresen der Apotheken empfangen einem Mitarbeiter der Apotheke auch gleich noch im gibeligelben Perskindol-T-Shirt.

Von diesem Personal soll der Kunde eine neutrale fachliche Beratung erhalten, die er an der Kasse auch noch mit einem Zuschlag finanzieren muss? «Die Apotheker werden in ihrer Beratung in keiner Weise beeinflusst, sie sind absolut unabhängig», versichert eine Perskindol-Sprecherin. Die T-Shirts würden den Apotheken gratis zur Verfügung gestellt, betont die Firmen-PR-Stelle. Weil Perskindol das Eidgenössische Turn und Sportfest sponserte, sei die nationale Kampagne in der Region Biel mit T-Shirts für Apotheken und Drogerien «ergänzt» worden.

Wow, die Apotheker ziehen die gelben Shirts sogar freiwillig über! Für eine gute Sache. Oder steckt doch mehr dahinter? Es ist eine alte Geschichte, dass sich Apotheken von Pharmaunternehmen dafür bezahlen lassen, deren Produkte auffällig im Laden zu plazieren und damit bevorzugt zu verkaufen. Wieviel die Industrie dafür bezahlt, will niemand sagen. Auch im Fall des augenfälligen Auftritts von Perskindol heisst es: «keine Auskunft».

Publikumswerbung ist für Perskindol gesetzlich erlaubt, das Produkt ist bei Swissmedic teilweise als Kosmetika und teilweise als Arzneimittel registriert. Zulässig ist aber nur so genannte «Markenwerbung». Anders sähe es aus, wenn Perskindol auch so genannte Produktewerbung betreiben würde, also Werbung mit Heilanpreisung. Wegen dieser Problematik sagt Apothekerverbands-Sprecher Karl Küenzi: «pharmaSuisse ermuntert seine Mitglieder zu einem zurückhaltenden Einsatz von Werbung.» In der Standesordnung heisst es trotzdem nur schwammig: «Sie machen Werbung, (…) die weder irreführend noch aufdringlich ist.» Und: «Sie enthalten sich jeder Art kommerzieller Sonderabmachungen mit anderen Leistungserbringern zwecks gegenseitiger Begünstigung.» Glauben macht seelig.

Written by Otto Hostettler

9. Juli 2013 um 13:33

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