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Basler Ethik-Präsident war gleichzeitig für Novartis tätig

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Der Präsident der Basler Ethikkommission und frühere Chefarzt des Basler Unispitals, André Perruchoud, sass während Jahren gleichzeitig in einer Novartis-Stiftung.

Wie neutral kann der Präsident einer unabhängigen Ethikkommission die Forschungsgesuche von Novartis beurteilen, wenn er gleichzeitig vom Pharmakonzern für eine andere Tätigkeit bezahlt wird? Für André Perruchoud ist die Antwort klar: „Ich sehe keinen Interessenkonflikt.“ Perruchoud ist seit fünf Jahren Präsident der Ethikkommission beider Basel. Am wichtigsten Standort der Schweizer Pharmaindustrie spielt er damit eine Schlüsselrolle.

Als Wissenschaftler hatte er aber noch eine zweite wichtige Position inne: Bis Anfang 2013 gehörte Perruchoud auch dem Kuratorium der Novartis-Stiftung für medizinisch- biologische Forschung an. Dort entschied er mit, welche Forschungsprojekte Novartis finanziell förderte. Für diese Arbeit wurde er vom Pharmakonzern bezahlt.

Perruchoud ist unbestritten eine Koryphäe in seinem Fach. Der 2008 emeritierte Professor für Pneumologie war Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Basel. In dieser Funktion wurde er 2003 in die Novartis-Forschungsstiftung gewählt. Die Ethikkommission übernahm er erst, als er aus dem Basler Unispital ausschied.

Heute gehört Perruchoud auch dem Vorstand der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Ethikkommissionen an, der Dachorganisation der kantonalen Ethikgremien. In diesen Kommissionen wachen Ärzte, Forscher, Ethiker, Seelsorger und Juristen darüber, ob Pharmaunternehmen bei der Forschung am Menschen nationale und internationale Richtlinien einhalten. Wollen Novartis, Roche oder eine andere Pharmafirma ein Medikament an Patienten testen, benötigen sie dafür die Zustimmung der Ethikkommission des jeweiligen Kantons. Ihr Entscheidungskriterium: die Wahrung der menschlichen Würde.

In Basel beurteilt das Gremium jedes Jahr rund 450 Gesuche der Pharmaindustrie. Laut Perruchoud kommt es in der Kommission immer wieder zu Interessenkonflikten. „Regelmässig müssen Mitglieder in den Ausstand treten, das ist völlig klar und auch unproblematisch“, findet er. Perruchoud selber trat in den fünf Jahren seiner Doppelrolle in der Ethikkommission nie in den Ausstand, wie er bestätigt.

Als Stiftungsrat verteilt er Novartis-Gelder in Millionenhöhe. Dreimal jährlich entscheidet ein Kuratorium über etwa 60 Gesuche, pro Forschungsprojekt gibt es bis zu 60 000 Franken. Er habe in dieser Stiftung keinen Bezug zu Novartis, betont Perruchoud. Sie unterstütze grundsätzlich keine Novartis-Projekte. Gesuche des Pharmakonzerns – oder auch nur mit Forschern der Novartis – würden nicht einmal beurteilt, sondern von vornherein „administrativ zurückgestellt“. Wie hoch ihn Novartis für seine Tätigkeit in der Stiftung bezahlte, will der einstige Chefarzt nicht sagen. Es handle sich lediglich um eine „Entschädigung“.

Nicht alle sehen Perruchouds Doppelrolle so locker wie er selber. Der Tessiner Präventivmediziner Gianfranco Domenighetti hat für die Zweifachfunktion von Perruchoud nur ein Wort übrig: „inakzeptabel“. Bei den Ethikkommissionen wird bald ein anderer Wind wehen. Tritt Anfang 2014 das neue Humanforschungsgesetz in Kraft, werden alle Mitglieder dieser kantonalen Gremien ihre Tätigkeiten in einem Register veröffentlichen müssen. Dann ist zumindest mit der Geheimniskrämerei Schluss.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 18/2013.

Written by Otto Hostettler

1. November 2013 um 08:58

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