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So wird aus 9 Euro 16 Franken

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Wer seine Produkte in der Schweiz zu überhöhten Preisen absetzen will, muss sich nur ein paar gute Gründe ausdenken. Eine Anleitung, Konsumenten ein X für ein Y vorzumachen.

Die Liste ist endlos. Produkte, die in der Schweiz massiv teurer sind als identische Ware in Deutschland. Zum Leid der Konsumenten, die oft nicht einmal bemerken, dass sie hier für das gleiche Produkt massiv mehr bezahlen müssen.

Ein besonders schönes Beispiel liefert Ravensbuger mit der «Junior»-Buchreihe. Wie bei vielen anderen Büchern auch, sind bei Ravensburger die Preise bereits auf der Buchdeckel-Rückseite aufgedruckt. Für die Schweiz wird genau diese Stelle mit einem neuen, nur für die Schweiz geltenden Preis überklebt.

Im Fall der Buchreihe Junior (beispielsweise «Ich und Du») beträgt der Schweizer Preis CHF 15.90. Der Originalpreis in Euro, der unterhalb der Etikette zum Vorschein kommt:
EURO 8.95

Eindrücklich daran, neben der Preisdifferenz: Die originellen Gründe für die Differenz. Bei Loeb, wo das Buch gekauft wurde, heisst es, man beziehe das ganze Ravensburger-Sortiment bei deren Schweizer Niederlassung, die Rechnungen seien in Schweizer Franken ausgestellt, folglich habe man keinen Einfluss auf die Wechselkurse. Immerhin: «Dank verbesserten Einkaufskonditionen» koste das Buch jetzt nur noch CHF 15.90. Eben erst waren es noch CHF 19.90.

Bei Ravensburger Schweiz lautet die Begründung so: Grundlage bilde der Euromittelkurs von CHF 1.28. Damit wird aus den Euro 8.95 bereits CHF 12.75. Die restliche Differenz ergebe sich aus der «höheren schweizerischen Kostenstruktur auf der gesamten Lieferkette». Ravensburger listet diese Kosten gleich auf:

  • Inlandtransporte (Schwerverkehrsabgabe)
  • Lagerkosten
  • Mietkosten
  • Lohnkosten
  • Investitionskosten
  • Werbekosten
  • Stromkosten
  • Sozialkosten

Angesichts dieser Gründe könnte man fast zum Schluss kommen, dass man als Konsument bei Ravensburger so etwas wie Glück gehabt habe. Es hätte ja ganz offensichtlich noch schlimmer kommen können. Eigenartig nur, dass auf dem Buch auch der Preis für Österreich aufgedruckt ist: Euro 9.20. Haben die Österreicher keine Lagerkosten, keine Mietkosten, keine Transportkosten, keine Lohnkosten.

Da ist doch gut beraten, wer direkt bei Amazon bestellt. CHF 8.95, plus Porto.

 

Written by Otto Hostettler

4. November 2011 at 15:42

Welche Bücher lesen Sie?

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Fehlt ein Häkchen, ist die persönliche Amazon-Bücherwunschliste für jedermann frei zugänglich.

Der Dienst ist praktisch, der Nutzen leuchtet ein: Der Internet-Bücherversand Amazon bietet Kunden auch eine so genannte Wunschliste an. Jedermann kann sich mit Name und Passwort auf der Amazon-Webseite anmelden und hier jene Bücher erfassen, die er oder sie gelegentlich mal kaufen will oder sich dies zumindest überlegt.

Doch diese persönliche, passwortgeschützte Wunschliste ist alles andere als privat. Die Personensuchplattform http://www.123people.com rafft auch diese Informationen zusammen. 123people erscheint bei vielen Google-Suchanfragen zu Personen an prominenter Stelle. Dazu liefert sie Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder auch Angaben über Drittpersonen, die mit der gegoogelten Person in einem Zusammenhang stehen. Und so fand Kollege X. neulich bei einer Suche über sich selber seine eigene Bücherwunschliste wieder.

Kollege X. hatte übersehen, dass die Verbindung von Amazon zu 123people.com automatisch generiert wird. Wer dies nicht will, muss dies bei Amazon explizit mit einem Häkchen im dafür vorgesehenen Feld unterbinden. Sprich: Wer dies nicht bemerkt, ist stillschweigend einverstanden, seine persönlichen Informationen mit der Welt zu teilen.

Dieses Problematik erinnert an die praktische Funktion des Google-Kalenders. Viele Nutzer übersehen auch hier, dass ihre persönliche Agenda für jedermann einsehbar ist.

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Written by Otto Hostettler

24. September 2009 at 11:14