Otto Hostettler's Blog

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Ein Staubsauger namens Facebook

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Die benutzerorientierte Werbung erreicht neue Qualitäten: Offensichtlich wertet Facebook auch aus, was Nutzer sonst noch so auf dem Computer schreiben.

FB-InseratNeulich im Eigenversuch festgestellt: Auf der Verkaufsplattform Ricardo suchte ich nach Snowboards. Kurze Zeit später ein Klick zu Facebook. Und siehe da: Am rechten Rand erscheint die bezahlte Werbung der Auktionsplattform. Solche benutzerdefinierte Werbung kennt man auch von Google. Wer über sein Gmail-Konto jemandem beispielsweise eine Nachricht schreibt und über die Euro-Krise in Griechenland schreibt, wundert sich längst nicht mehr über die Hotel-Annoncen.

Der neuste Eigenversuch war nicht geplant: Ich schreibe an einem Text im Programm von Open Office, der Inhalt dreht sich um den Begriff Stammbaum. Minuten später ein Klick auf Facebook. Und siehe da: Am rechten Rand erscheint bezahlte Werbung von einem kommerziellen Anbieter genealogischer Dienstleistungen. Dazu der Text: «Erstelle kostenlos deinen Stammbaum und erfahre mehr über deine Familiengeschichte:»

Die Frage drängt sich auf: Ist das nur Zufall? Was weiss Facebook eigentlich von mir? Was wertet Facebook aus? Wie funktioniert dieser Staubsauger?

Haben auch Sie solche Zusammenhänge beobachtet? Meldung bitte an: otto.hostettler@beobachter.ch

Written by Otto Hostettler

30. Januar 2014 at 22:30

Veröffentlicht in Datenschutz, Internet

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Facebook: Woah! Ich kann nicht glauben…

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Running Gag: Wer glaubt, mit einer App zu sehen, wer sein Facebook-Profil besucht hat, liegt falsch. Viel wahrscheinlicher ist, dass er oder sie gerade einem Spammer seine E-Mail-Adresse weitergegeben hat.

facebookDie Meldung ist wie ein Komet. Alle paar Wochen kommt sie wieder. Weil immer wieder jemand schnell schnell drauf clickt. Jetzt ist Corinne, meine Schulkollegin aus Urzeiten, hereinhefallen. Sie kann sich trösten, sie ist nicht alleine. Hätten sie alle die Meldung richtig gelesen, wären sie skeptisch geworden. Denn es beginnt schon in holprigem Deutsch: «Woah! ich kann nicht glauben kann man schon sehen, wer Dein Profil gesehen.» Oder: «Ich kann sehen, dass ich nur ganz wenige Besucher haben.»

Manchmal heissen diese Meldungen auch “Wer hat Dein Profil besucht” oder “Top-Besucher”. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie funktionieren nicht, sondern haben einen ganz anderen Sinn. Denn anders als bei Xing oder StudiVZ gibt es bei Facebook keine Funktion, die zeigt, wieviele (oder welche) Besucher auf dem eigenen Profil waren. Viele Nutzer wissen das eigentlich und clicken trotzdem auf die App, aus reiner Neugier. Doch was die meisten Nutzer nicht wissen: Mit einem click postet man diesen Link an die Pinwand seiner Freunde – und schickt dem Programm-Betreiber gleichzeitig Informationen zu seiner eigenen E-Mail-Adresse. Denn hinter solchen Progrämmchen stecken meist dubiose Händler von E-Mail-Adressen. Denn Facebook ist auch ein Paradies für Spamer und Adresshändler. Weil es an neugierigen Facebook-Nutzern nicht mangelt, wird die Fake-App immer weitergereicht. Auch wenn alle wissen, dass sie nicht hält, was sie verspricht.

 

Written by Otto Hostettler

14. Dezember 2012 at 21:46

Spuren im Netz: Verhängnisvoll ist, was wir vergessen haben

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Ein spannendes Experiment: Was findet man über eine x-beliebige Person heraus, nur aufgrund von allgemein zugänglichen Daten im Internet? Also beispielsweise in den zahlreichen sozialen Netzwerken? Mein Beobachter-Kollegen Thomas Angeli und ich haben uns im weltweiten Datenmeer drei Personen herausgefischt und diese – mit ihrem Einverständnis – analysiert. Mit gängigen Recherchemethoden und gratis erhältlichen Auswertungstools. Unter den Zielpersonen war eine Bernerin, die seit Jahren anonym einen Blog betreibt, ein IT-Projektleiter und ein Online-Redaktor.

Diese Recherche führte zu drei Erkenntnissen:

  1. Wer glaubt, sich anonym im Netz bewegen zu können, irrt.
  2. Wer sein privates Leben für sich behalten will und trotzdem soziale Plattformen nutzt, muss sich sehr, sehr, sehr grosse Mühe geben. Und noch so gibt man mehr preis als man denkt.
  3. Verhängnisvoll werden jene Veröffentlichungen, von denen wir vergessen haben, dass es sie gibt.

Solche Sachen haben wir über die Versuchspersonen herausgefunden:

  • wo sie in den letzten Jahren gewohnt haben
  • mit wem sie in den letzten Jahren gewohnt haben
  • wann sie wo (mit wem) Ferien gemacht haben
  • wie sie leben
  • was sie essen
  • was sie trinken
  • was sie lesen
  • auf welchem Sofa sie sitzen
  • wie ihre Katzen heissen
  • welche Musik sie hören
  • welche Turnschuhe sie gerne kaufen möchten
  • was für ein Handy sie besitzen
  • etc, etc, etc.

Die anonyme Bloggerin, die wir aufgrund der Fülle an Details zusätzlich anonymisieren mussten, meinte am Schluss des Experiments: «Jetzt werde ich endgültig paranoid.»

Den ganzen Beobachter-Artikel findet sich hier: «Die Datenjäger jagen auch Sie»

Written by Otto Hostettler

3. Oktober 2011 at 10:21

Facebook: Mein Freund, der Drogenboss

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Facebook möchte gern, dass ein mutmasslicher kolumbianischer Drogenboss mein Freund wird.

Übernimmt eine Maschine das menschliche Denken, ist Vorsicht angebracht. Facebook ist eine solche Maschine. Sie filtert meine Interessen und destilliert aus der Werbeflut gewissermassen auf mich zugeschnittene Privatwerbung. Facebook weiss aber auch, dass ich mit Personen befreundet bin, deren Freunde wiederum entweder ähnliche Interessen haben und folglich zu meinen Freunden gehören sollten.

Also schlägt mir Facebook immer mal wieder vor, wen ich auch noch als Freund aufnehmen könnte. Manchmal kennt man diese Fast-Freunde, manchmal auch nicht. Manchmal weiss man, dass es diese Personen gibt, weil sie Bekannte von Bekannten von Bekannten sind. Und trotzdem klickt man sie nicht zum eigenen Freundeskreis hinzu.

Neulich schlug mir Facebook einen in Übersee wohnhaften Herrn als neuen Freund vor: Kein Chorknabe, sondern offensichtlich ein einflussreicher Drogenboss, der von seinen Untergebenen «Dottore» genannt wird. «Dottore» ist nachweislich verantwortlich, zwischen 2004 und 2008 von Kolumbien aus mindestens 650 Kilogramm Kokain in die Schweiz spediert zu haben. Im Karton-Zwischenboden von Bananenschachteln kamen die Päcklein via Schiff nach Europa und wurden mit dem Lastwagen in die Schweiz gefahren. Zwei seiner Untergebenen, inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, packten den Stoff aus den Bananenschachteln um und lieferten ihn in Waschmittelschachteln in grössere Schweizer Städte – wo er auf der Gasse verkauft wurde.

Und wie kommt es, dass Facebook mir ausgerechnet «Dottore» als Freund präsentiert? In einer grösseren Recherche über die Handelswege von Kokain führte mich zwei mal auf die Facebook-Seite des besagten Herrn. Das reichte, damit mir das soziale Netzwerk mitteilt, mein Interesse an diesem Herrn sei derart gross sei, dass er doch mein Freund werden sollte.

Da kommt mir natürlich unweigerlich meine Facebook-Freundschaft mit Shawne Fielding in den Sinn. Dank Facebook haben wir uns nie getrennt. Bis heute kann ich an ihrem aufregenden Leben teilhaben.

Erfahrungen der anderen Sorte machte eine Nutzerin, die von Facebook verlangte, verleumderische Einträge zu entfernen. Mit einem Trick wollte Facebook erwirken, dass sie den Gerichtsstand USA akzeptiert, womit sich ihre Forderung wohl von selbst erledigt hätte. Stattdessen wies nun ein Basler Richter den US-Konzern in einer einstweiligen Verfügung an, die Einträge zu löschen.

Written by Otto Hostettler

26. August 2011 at 15:05

Richter trotzt Facebook

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Wer im sozialen Netzwerk Facebook verleumdet wird, kann sich wehren. Erstmals wies ein Schweizer Gericht den US-Konzern an, er müsse den Eintrag eines Facebook-Mitglieds sperren, weil dieser die Persönlichkeitsrechte einer Schweizerin verletzt hat.

Konkret wehrte sich eine Frau gegen einen Nutzer, der sie mit Bild- und Texteinträgen auf dem sozialen Netzwerk diffamierte. Der Basler Medienanwalt Jascha Schneider verlangte darauf im Namen der Frau von Facebook, den Eintrag zu löschen. Zu Gute kam ihr, dass sie selbst nicht bei Facebook angemeldet ist.
Der US-Konzern stellte sich auf den Standpunkt, wer eine Reklamation anbringen wolle, müsse zuerst Mitglied werden. Doch dazu muss man die Geschäftsbedingungen von Facebook akzeptieren – und sich so einverstanden erklären, allfällige Streitigkeiten vor einem kalifornischen Gericht auszufechten. Mit diesem Trick erreichte Facebook, dass es für Internetbenutzer aus anderen Ländern – also auch aus der Schweiz – so gut wie aussichtslos ist, sich gegen die Firma zu wehren.
Das Zivilgericht Basel-Stadt wies den US-Konzern nun an, den ehrverletzenden Eintrag über die Frau zu löschen. Medienanwalt Schneider spricht von einem Präzedenzfall. Er zeige, wie sich ein Normalbürger gegen den Giganten Facebook wehren könne: «Internetbenutzer sind Facebook nicht einfach machtlos ausgesetzt.»

Allerdings bringt der Basler Entscheid für all jene, die bereits bei Facebook mitmachen, keine Vorteile bei juristischen Auseinandersetzungen. Sie haben die Nutzungsbedingungen der Plattform akzeptiert, womit für sie eben doch amerikanische Gerichte zuständig wären.

Written by Otto Hostettler

16. August 2011 at 14:37

Facebook: WOW, jetzt kannst Du sehen, wer gwundrig und naiv ist

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Facebook hat praktische Funktionen. Aber es gibt – wie im realen Leben – auch Überflüssiges, Lästiges. Spam zum Beispiel. Auf den Wurm «Wow, jetzt kannst Du sehen, wer sich dein Profil anschaut» fallen besonders viele herein. Aus Gwunder und Naivität.

Die Meldung kam dutzendfach herein: XY möchte Dich zur Veranstaltung «Wow Jetzt kannst Du sehen, wer Dein Profil ansieht» eingeladen. Gwundrig, wie Mensch halt ist, klicken viele Facebook-Nutzer den Link an. Sie denken, ein «Freund» teile ihnen etwas interessantes mit. Was sie aber nicht wissen: Damit werden sie auf eine externe Seite geladen, die über einen Java-Script eine Kettenreaktion auslöst. Den Link mit der spannenden Bezeichnung wird an alle seine Freunde weiter gesendet. Auf Deutsch: Spam, getarnt als Veranstaltungseinladung.

Wer das tut, outet sich unfreiwillig gleich noch selber und verbreitet mit einem geposteten Link, wer angeblich am häufigsten auf das eigene Profil zugegriffen habe. Dabei präsentiert der Wurm eine Rangliste mit jenen «Freunden», die am häufigsten das Profil besucht haben sollen. Doch offensichtliche Phantasiezahlen, sie sind bei unterschiedlichen Nutzern, die in die Falle getappt sind, sogar identisch.

Damit nicht genug: Der Wurm gräbt sich in das Profil des Nutzers ein. Er versendet – ohne Wissen der User – Chat-Nachrichten an Freunde, die gerade online sind. Mit der gleichen perfiden Empfehlung.

Written by Otto Hostettler

28. April 2011 at 13:35

Facebook führt Nutzer an der Nase herum

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Mit immer wieder neuen Änderungen gaukelt Facebook seinen Nutzern falsche Tatsachen vor. Viele erfahren gar nie, was ihre «Freunde» der Welt mitteilen.

Immer wieder neue Tools, Features oder Möglichkeiten schaltet Facebook auf seiner Plattform auf. Über viele dieser Neuerungen informiert der Konzern nur oberflächlich, unverständlich oder gar nicht. Das eine oder andere spricht sich dann im Netz umher, anderes bleibt unerkannt.

Beispiel eins: Die meisten Nutzer erfahren über viele ihrer Freunde nie etwas. Nicht etwa, weil diese nie etwas über sich in Facebook veröffentlichen würden. Sondern weil Facebook von sich aus entscheidet, welche Posts auf der Oberfläche eines Nutzers erscheinen soll. Priorität haben nämlich Posts von jenen «Freunden», mit welchen man in regelmässiger Interaktion steht. Sprich: Wer anderen ab und an einen Kommentar hinterlässt, erfährt auch von dessen Veröffentlichungen.

Statusmeldungen von Freunden, bei welchen man sich aber nie meldet, tauchen hingegen nie auf. Auch wenn man im realen Leben in noch so engem Kontakt steht. Facebook leitet aus dem Verhalten der Nutzer ab, wer angeblich ein tatsächlicher Freund ist und wer nicht.

Zurückzuführen ist diese Eigenartigkeit auf eine schon vor Monaten stillschweigend eingeführte Neuerung in den Standardeinstellungen zu «Neuste Meldungen / Hauptmeldungen». Wer die Meldungen von allen seinen «Freunden» lesen will – egal ob er mit ihnen über Facebook palavert – muss Folgendes ändern: Auf der Facebook-Seite bei der Bezeichnung «Neuste Meldungen» rechts davon das schwarze Dreickeck anwählen und Menü herunterklappen. –> «Optionen bearbeiten» auswählen, «Neuigkeiten-Einstellungen» ändern in «Alle deine Freunde und Seiten». Die Facebook-Standard-Einstellung lautet: «Freunde und Seiten, mit welchen du am häufigsten interagierst».

Beispiel zwei: Facebook hat kürzlich damit begonnen, die Profilbilder der Benutzer in Werbebotschaften einzubetten. So kommt es, dass auf der Facebook-Seite Ihrer «Freunde» plötzlich für ein Produkt geworben wird – mit Ihrem Bild dazu. Quasi als persönliche Empfehlung. Wer sein Bild nicht für die Werbung frei geben will, muss dies manuell ändern: Konto –> Kontoeinstellungen –> oben rechts Werbeanzeigen auf «niemand» stellen.

Written by Otto Hostettler

11. April 2011 at 13:05

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