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«Gesundheit Sprechstunde»: Zum Schluss eine saftige Busse

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Seit Jahren wirbt die TV-Sendung «Gesundheit Sprechstunde» gesetzwidrig für Produkte und Sponsoren. Kurz bevor Ringier die Sendung einstellt, verhängt das Bakom noch eine saftige Busse.

«Gesundheit Sprechstunde», die von Ringier produzierte TV-Sendung auf SF1, hat ein weiteres Mal gegen die Radio- und TV-Gesetze des Bundes verstossen. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) als Aufsichtsbehörde in einer jüngst veröffentlichten Verfügung. Was das Bakom aber erst auf Nachfrage Preis gibt: «Gesundheit Sprechstunde» muss dem Bakom eine so genannte Verwaltungssanktion in der Höhe von 50’000 Franken sowie Fr. 13’230.- Verfahrenskosten bezahlen, wie die zuständige Stelle bekannt gibt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Die Gesundheitssendung aus dem Hause Ringier hat seit 2005 praktisch jedes Jahr gegen die Werbe- und Sponsoringbestimmungen des Bundes verstossen. Ende 2011 kam das Bakom zum Schluss, die TV-Sendung haben alleine zwischen September 2009 und März 2010 fünf Mal gegen das Gesetz verstossen, «wiederholt und in schwerer Weise» («Wiederholungstäterin Gesundheit Sprechstunde»). Die Masche ist immer die gleiche, Firmelogos werden unerlaubterweise ins Szene gesetzt, Produkte werden sloganhaft angepriesen und Sponsoren unzulässig ins Zentrum gerückt. Vor knapp einem Jahr zog das Bakom das bedenkliche Fazit, die Sendung habe «zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten». Damals musste «Gesundheit Sprechstunde» lediglich 7536.10 (und 2000 Franken Verfahrenskosten) bezahlen.

Das neuste Urteil gegen die von der Tierärztin Jeanne Fürst moderierte Gesundheitssendung wird wohl das letzte sein. Nicht etwa, weil sich die Verantwortlichen um Ringier-Kadermann Hans Jürg Deutsch geläutert sehen, sondern weil die Sendung Ende Jahr eingestellt wird.

 

(Bild: http://www.gesundheitsprechstunde.ch)

 

Written by Otto Hostettler

22. August 2012 at 12:02

«Wiederholungstäterin» Gesundheit Sprechstunde

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Die TV-Sendung «Gesundheit Sprechstunde» hat wieder einmal Schleichwerbung betrieben – ohne spürbare Konsequenzen.

«Eine Wiederholungstäterin» ist die Sendung «Gesund­heit Sprechstunde» von Presse-TV – so drückt sich das Bundesverwaltungsgericht im neus­ten Ur­teil aus. Unter anderem habe man unerlaubterweise Firmenlogos in Szene gesetzt, einen angeblichen Gesundheitsschuh «sloganhaft» angepriesen und Sponsoren «unzulässig» ins Zentrum gerückt.

Damit hat die Sendung 2005, 2007, 2008, 2009 und 2010 gegen die Werbe- und Sponsoringbestimmungen des Radio- und TV-Gesetzes ver­stossen, teils mehrmals pro Jahr, und laut neustem Urteil von September 2009 bis März 2010 in fünf Sendungen «wiederholt und in schwerer Weise». Die Sendung habe «zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten».

Trotz der Schwere der Verstösse muss «Gesundheit Sprech­stunde» dem Staat nur Fr. 7536.10 für unrechtmäs­sig erzielte Einnahmen zahlen – und 2000 Franken Verfahrens­kosten. Bei Presse-TV kann man mit dem Urteil leben. Ringier-Kadermann Hans Jürg Deutsch spricht von «gering­fügigen finanziellen Strafen», er werde das Urteil «voraussichtlich» nicht anfechten.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) stösst mit seinen Mitteln bald an Grenzen. Die Sendung aus dem Programm kippen kann es nämlich nicht. Das liege im Ermessen von Schweizer Radio und Fernsehen. Dort will man nichts davon wissen: «Für diese Sendung trägt Presse-TV publizistisch und rechtlich die Verantwortung.» Man sehe deshalb «keine Veranlassung für Massnahmen».

Die Dauerverstösse könnten trotzdem happigere Folgen haben. Das Bakom kann im Wiederholungsfall bis zu zehn Prozent der Jahreseinnahmen von Presse-TV einziehen. Bisher wurde diese Massnahme noch nie verhängt. Nun aber droht das Bakom: «Wir halten uns weitere Op­tio­nen offen.» Noch vor Ende Jahr will das Bakom in einem weiteren Fall vermuteter Schleichwerbung in der Sendung entscheiden.

Und es geht weiter: Dem Beobachter liegen Informationen vor, wonach Presse-­TV mit einer Zahnärztin einen Sponsoringvertrag abgeschlossen hat und ihr im Oktober einen Auftritt ermöglichte. Den Zuschauern wurde das nicht deklariert. Die 10’000 Franken dafür bezahlte ein Implantatehändler, der dann als Sponsor genannt ­wurde. Ringier-Mann Deutsch spricht von einem Irrtum im internen Ablauf.

Written by Otto Hostettler

24. November 2011 at 09:22

Schleichwerbung auf SF1?

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© Beobachter 2010/Otto Hostettler

Die Fernsehsendung «Gesundheit Sprechstunde» gerät schon wieder in den Fokus der Behörden.
Diesmal, weil sie ein neues Opiat-Schmerzmittel propagiert hat.

Die Sendung zum Thema Schmerzen wird den Verantwortlichen der «Ge­sundheit Sprechstunde» womöglich noch Bauchweh machen. Im Zentrum der Sendung von Mitte Oktober stand ein neues, rezeptpflichtiges Opiat gegen chro­nische Schmerzen. Der Beitrag, immerhin über sechs Minuten am Samstagabend auf SF 1 ausgestrahlt, drehte sich ausschliess­lich um den neuentwickelten Wirkstoff Tapentadol. Dass der deutsche Pharma­konzern Grünenthal nicht nur die Sendung unterstützte, sondern auch das neue Mittel herstellt, wurde nicht deklariert. Im Gegen­teil: Die Gesundheitssendung verschleierte die Quellen verschiedener Informationen.

So diskutierte Moderatorin Jeanne Fürst mit einem Experten eine Umfrage zum The­ma Schmerzen. Es wurde mehrfach auf die Website http://www.changepain.ch verwiesen. Moderatorin und Experte priesen besagte Website zudem, weil Betroffene dort «eine hilfreiche Broschüre» beziehen könnten. Dass dahinter der Sponsor Grünenthal steht, erfuhren die Zuschauer nicht. Damit begibt sich «Gesundheit Sprechstunde» auf dünnes Eis. Das vorbehaltlos empfohlene Opiat Tapentadol untersteht dem Betäu­bungsmittelgesetz und ist gemäss der Heil­mittelkontrollstelle Swissmedic verschrei­bungspflichtig. Brisant: Das Heilmittel­gesetz verbietet Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel.

Swissmedic­Sprecher Joachim Gross sagte dem Beobachter: «Ein neues Opiat so  anzupreisen verträgt sich nicht mit der Heilmittelgesetzgebung.» Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) prüft derzeit laut Sprecherin Deborah Murith, ob es gegen «Gesundheit Sprechstunde» ein Ver­fahren wegen Verstosses gegen die Werbe­- und Sponsoringvorschriften eröffnen soll.

Hans Jürg Deutsch, beim Medienhaus Rin­gier verantwortlich für «Gesundheit Sprech­stunde», sieht sich im Recht: «Ich habe mich in der Sendung an die Richtlinien der Swissmedic gehalten.» Für ihn habe journalistische Relevanz den Ausschlag ge­geben, Tapentadol zu thematisieren. Zum ersten Mal seit 25 Jahren habe ein neuer Wirkstoff mit überzeugenden Resultaten zur oralen Schmerzbehandlung entwickelt werden können, so Deutsch.

Auf den Vorwurf, dass sich die Sendung mehrfach auf eine Internetseite stützte und die effektive Quelle – den Pharmakonzern Grünenthal – den Zuschauern vorenthielt, sagt er: «Ich habe die Quellenangabe für ausreichend gehalten.» «Gesundheit Sprechstunde» habe am Anfang der Sen­dung den Pharmakonzern unter «weitere Sponsoren und Produktplatzierung» ein­geblendet, womit den Vorschriften des Ba­kom Genüge getan sei. Die Rolle von Grü­nenthal bleibt unklar. Der Konzern betont, «weder einen Produktplatzierungs­- noch einen Sponsorbeitrag» geleistet zu haben.
Man habe nur grafisches Material geliefert.

Den heiklen Übergang von Sponsoring zu Schleichwerbung müsste Deutsch eigent­lich kennen: Er gerät nicht zum ersten Mal ins Visier der Überwachungsbehörden. Ein Verfahren wegen einer anderen «Gesund­heit Sprechstunde»­Sendung ist zurzeit hängig, es soll gemäss Bakom noch vor Ende Jahr abgeschlossen sein. Im Septem­ber berichtete der Beobachter zudem, wie die Sendung einer PR­Agentur angeboten hatte, gegen einen fünfstelligen Betrag ein bestimmtes rezeptpflichtiges Medikament zu thematisieren (Beobachter Nr. 18).

Im vergangenen Jahr kam das Bakom zum Schluss, «Ge­sundheit Sprechstunde» habe 2007 und 2008 mehrfach die Werbe­ und Sponsoringbestimmungen des Radio­ und Fernsehgesetzes verletzt.

Im Oktober 2006 wurde Deutsch als verantwortlicher Leiter sogar persönlich zu einer Busse von 5000 Fran­ken (plus 5000 Franken Verfahrenskosten) verurteilt – wegen mehrfacher «fahrlässiger schwerer Verletzung» des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen. Deutsch, so kam das Bakom damals zum Schluss, habe unter anderem der Lungenliga in der Sen­dung einen ausgiebigen und exklusiven
Auftritt gegen Entgelt gewährt. Die betref­fende Sendung selber war vom Bakom be­reits ein Jahr zuvor gerügt worden.

Written by Otto Hostettler

11. November 2010 at 11:29

Gekaufter TV-Auftritt

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© Beobachter 2010/Otto Hostettler

Pharmafirmen können in der TV-Sendung «Gesundheit Sprechstunde» für einen fünfstelligen Betrag einen Experten platzieren.

Die Anfrage kam direkt vom medizinischen Leiter der «Gesundheit Sprechstunde». In einer E-Mail teilte Markus Meier einer Werbeagentur mit, die Redaktion erwäge, einen Beitrag über ein bestimmtes Medikament zu machen. In diesem Zusammenhang frage er an, ob die Herstellerfirma des Medikaments bereit sei, sich mit 10’000 bis 20’000 Franken an den Produktionskosten zu beteiligen, «da sie ja zum wiederholten Mal von unserer Plattform profitiert».

Das Vorgehen lässt keine Zweifel: «Gesundheit Sprechstunde» kontaktiert gezielt PR-Agenturen, die zahlungskräftige Pharmaunternehmen zu ihren Kunden zählen. Diese sollen einen fünfstelligen Betrag bezahlen, damit sie einen pharmagenehmen Experten für die Sendung vermitteln dürfen.

Es war nicht das erste Mal, dass der Inhaber der PR-Agentur solche Angebote erhielt, bisher aber meist nur telefonisch: «Die Anfragen von ‹Gesundheit Sprechstunde› sind immer sehr kurzfristig. Es heisst dann, ob ich nicht Interesse hätte, einen meiner Kunden in der Sendung zu platzieren.» Es werde auch signalisiert, dass er mit PR-Material und der Bestimmung von Experten Einfluss auf den Inhalt der Sendung nehmen könne.

Ringier, die für Presse-TV die Sendung produziert, bestreitet gegenüber dem Beobachter die E-Mail-Anfrage nicht. Hans Jürg Deutsch, Leiter der «Gesundheit Sprechstunde», betont aber, die Wahl des Experten liege bei der Redaktion. Er bestätigt hingegen, dass sich Firmen der Gesundheitsbranche mit «Produktionsbeiträgen» an der Sendung beteiligen könnten. Er nennt dies «Sponsoring» oder «Produkteplatzierung». Und: «Sobald Geld im Spiel ist, muss der Sponsor am Anfang und Ende der Sendung erwähnt werden.» Der Auftritt eines Sponsors in der Sendung dürfe keinen werblichen Charakter haben. «Er muss harmonisch und unaufdringlich in die Dramaturgie der Sendung eingebaut werden.» Der schönen Worte nicht genug: «Grundsätzlich werden keine Marken oder Namen von Medikamenten genannt.»

In der Anfrage der «Gesundheit Sprechstunde», die dem Beobachter vorliegt, tönt es anders. Markus Meier schlug der PR-Agentur vor, Anfang September über ein konkretes verschreibungspflichtiges Medikament eines bestimmten Herstellers zu berichten.

Bei der Heilmittelbehörde Swissmedic heisst es dazu: «Die Thematisierung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in TV-Sendungen zum Thema Gesundheit sind nicht mit den werberechtlichen Bestimmungen der Heilmittelgesetzgebung konform.»

Die Aufsichtsstelle für Radio und Fernsehen (Bakom) will im Moment nicht intervenieren, weil die fragliche Sendung noch gar nicht ausgestrahlt worden sei.

Written by Otto Hostettler

8. September 2010 at 15:46

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