Otto Hostettler's Blog

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Welche Bücher lesen Sie?

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Fehlt ein Häkchen, ist die persönliche Amazon-Bücherwunschliste für jedermann frei zugänglich.

Der Dienst ist praktisch, der Nutzen leuchtet ein: Der Internet-Bücherversand Amazon bietet Kunden auch eine so genannte Wunschliste an. Jedermann kann sich mit Name und Passwort auf der Amazon-Webseite anmelden und hier jene Bücher erfassen, die er oder sie gelegentlich mal kaufen will oder sich dies zumindest überlegt.

Doch diese persönliche, passwortgeschützte Wunschliste ist alles andere als privat. Die Personensuchplattform http://www.123people.com rafft auch diese Informationen zusammen. 123people erscheint bei vielen Google-Suchanfragen zu Personen an prominenter Stelle. Dazu liefert sie Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder auch Angaben über Drittpersonen, die mit der gegoogelten Person in einem Zusammenhang stehen. Und so fand Kollege X. neulich bei einer Suche über sich selber seine eigene Bücherwunschliste wieder.

Kollege X. hatte übersehen, dass die Verbindung von Amazon zu 123people.com automatisch generiert wird. Wer dies nicht will, muss dies bei Amazon explizit mit einem Häkchen im dafür vorgesehenen Feld unterbinden. Sprich: Wer dies nicht bemerkt, ist stillschweigend einverstanden, seine persönlichen Informationen mit der Welt zu teilen.

Dieses Problematik erinnert an die praktische Funktion des Google-Kalenders. Viele Nutzer übersehen auch hier, dass ihre persönliche Agenda für jedermann einsehbar ist.

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Written by Otto Hostettler

24. September 2009 at 11:14

Google: da lacht ja das Pferd

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 Der Internet-Such-Gigant Google kann fast alles liefern: Nur mit Informationen, die ihn selber betreffen, hat er etwas Mühe.

Horse_blurIn Deutschland laufen ganze Ortschaften Sturm gegen das Google-Digitalisierungsprojekt Street-View. Mit den Autos, deren Fotoapparate-Aufbauten aussehen wie Sirenen-Lautsprecher, fotografiert Google derzeit landauf-landab Strassenzüge. In der Schweiz blieb der breite Protest aus. Trotzdem will sich Google hier nicht in die Karten blicken lassen: Eine Anfrage des Beobachters, in einem Google-Street-View-Auto mizufahren, blockte Google-Schweiz unter fadenscheinigen Gründen ab.

Vor Tagen machte nun die Meldung die Runde, der Internetgigant müsse auf Geheiss des Datenschützers im Vorfeld seiner Foto-Fahrten der Schweizer Öffentlichkeit ankünden, wo geknipst werde. Denn wer sein Haus nicht fotografiert haben möchte, könnte dies bei Google melden – zumindest theoretisch. Die Praxis sieht anders aus: Die Informationen über Street-View Schweiz sind dürftig. Über die anstehenden Foto-Touren ist nichts zu erfahren.

Anders in Deutschland: Hier informiert eine Webseite, wann in welcher Stadt gefilmt wird. Die Pressestelle schliesslich zeigt, wie sich der Konzern die Information der Öffentlichkeit hierzulande vorstellt. Kurz, knapp – aber leider wenig transparent. Dem Beobachter teilt der Google-Sprecher mit: „Die Ankündigung der Foto-Aufnahmen für Street-View in der Schweiz fand bereits im März dieses Jahres statt (Kantone Bern, Zürich und Genf)“. Punkt.

Sprich: Jedermann muss seit diesen Frühling mehr oder weniger in der ganzen Deutschschweiz damit rechnen, von Google fotografiert und für immer gespeichert zu werden. Auch wenn Google immer wieder betont, Gesichter würden automatisch unkenntlich gemacht, die Originalbilder werden weiterhin aufbewahrt, wie der hauseigene Datenschützer Peter Fleischer in einem Blog-Beitrag schreibt.

Weshalb? Für den Fall der Fälle, dass ein Programm falsche Stellen unkenntlich macht. So wie in New York, als das Programm ein Pferd im Central Park mit einem Menschen verwechselte und den Tierkopf unkenntlich machte. Zum Glück konnten die Originaldaten hervorgeholt werden, sonst hätte das arme Pferd nämlich nur noch anonym über die Bildschirme traben dürfen.

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Written by Otto Hostettler

24. Juni 2009 at 14:38

Veröffentlicht in Gesellschaft, Google

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Alibiübung Jugendschutz

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Fachleute der Mobilfunkindustrie haben keine Ahnung, wie Jugendliche mit Leichtigkeit gesperrte Internetseiten aufrufen.

«Science-Brunch» nennt sich die Veranstaltungsreihe der Forschungsstiftung Mobilkommunikation. Diese als öffentliche Stiftung organisierte Lobbyorganisation von Swisscom, Sunrise, Orange und Nokia – lädt zwei Mal jährlich Fachleute der Handy- und Internet-Branche sowie Prominenz aus Forschung und Verwaltung ein. Thema bei der neusten Zusammenkunft: «Handys und Jugendschutz: Regulation oder Medienkompetenz».

Die Forscher zeigten, dass Jugendliche im Netz «Hinterhöfe» von der Erwachsenenwelt suchen. Die Polizei belegte, dass die Fälle von konfiszierten Handys mit verbotenen Gewalt- und Sexdarstellungen massiv zurückgingen und inzwischen gegen Null tendieren. Lehrervertreter und Pro Juventute durften erklären, wie sehr sie sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien engagieren.

Erschreckend an der Tagung: Als ein knapp 18-jähriger Jugendlicher demonstrierte, wie seine Alterskollegen mit zwei Klicks eine als «Jugendschutz» propagierte Internetsperre umging, mussten von 60 Anwesenden 58 zugeben, dass sie keine Ahnung von solchen Möglichkeiten haben.

Der Trick der Jugendlichen: Man «googelt» die gewünschte Seite, klickt sie aber anschliessend nicht direkt an (weil sie ja auf dem benutzten Computer gesperrt ist und folglich nicht erscheinen würde), sondern wählt die Google-Funktion «Übersetzen». Google übersetzt die Seite in diejenige Sprache, in der sie bereits existiert. Sprich: die gewünschte Seite erscheint ein-zu-eins.

Unsäglich dabei: Auch Tina Willibald, bei der Swisscom zuständig für den «Jugendmedienschutz» (schützt sie eigentlich die Medien vor der Jugend oder die Jugend vor den Medien?), kannte den Trick nicht. Sie beteuerte aber, dass es der Swisscom ernst sei, Jugendliche vor illegalen Gewalt- und Sex-Darstellungen und anderen dubiosen Inhalten des Internets zu schützen. Doch diese Absicht ist nicht viel mehr als ein PR-Spruch. Denn die Realität sieht anders aus: Dubiose Internetinhalte sind ein gutes Geschäft, wie verärgerte Eltern dem «Beobachter» praktisch täglich berichten. In der Tat: Swisscom, Sunrise und Orange verdienen kräftig mit, wenn Jugendliche auf fingierte «Flirt-Chats» und nutzlose SMS-Dienste hereinfallen. Die Kommunikationskonzerne übernehmen für die zwielichtigen Angebote das Inkasso und helfen so mit, den Jugendlichen die Handyrechnung in die Höhe zu treiben.

Written by Otto Hostettler

12. Juni 2009 at 16:25

Google wimmelt Beobachter ab

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Die dunkelblauen Opel Astra von Google sehen aus, als ob sie eine Sirene auf dem Dach installiert hätten. Doch der Zweck ist ein anderer: Sie fahren kreuz und quer durch die Schweiz und fotografieren dabei alles was sie erfassen können. In einigen Monaten, so liess Google verlauten, sollen die Daten via Google-Map freigegeben werden, sprich: Jedermann kann interaktiv durch die Schweiz wandeln.

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Doch wer sind die Fahrer, die nichts anderes machen als durch die Schweiz zu kurven? Welche Strassen fahren Sie, weshalb ignorieren sie Einbahnstrassen, so wie jüngst in Biel? Weshalb hören die Fahrer bei offenem Fenster laute Technomusik, wie neulich in Bern? Wie reagiert die Bevölkerung in Trubschachen, wenn Google mit seinem fotografierenden Astra zwischen Miststock und Bauernhof einfährt?

Gerne hätte der Beobachter einen Google-Fahrer einen Tag lang auf seiner Fahrt begleitet. Doch der mächtigste Datenvernetzer will nicht, dass jemand hinter seine Kulissen blickt. Der Fahrer sei keine spannende Person, lautet anfänglich die abwimmelnde Begründung. Auf eine zweite (schriftliche) Anfrage bringt Google-Sprecher Matthias Meyer das firmeninterne Kredo auf den Punkt: «Schutz von Informationen gegenüber Externen, keine Einsichtsnahme von Dritten aus Konkurrenzgründen.»

Der Konzern, dessen Image durch Billiard spielende Mitarbeiter geprägt ist, funktioniert hinter den Kulissen etwas anders: Klare Hierarchien, unmissverständliche Befehle, gehorsames Personal. Google-Sprecher Meyer schreibt dem Beobachter: «Das Nicht-Mitfahren ist eine weltweite Policy, bei der keine Ausnahmen gemacht werden.» Gleich anschliessend aber gibt sich der Firmensprecher wieder google-like kumpelhaft: «Ich bin sehr gerne bereit, Sie mit den besprochenen Möglichkeiten und Informationen bei einer allfälligen Reportage zu unterstützen.»

Bild: Street View Auto auf der Quaibrücke, Zürich (Google)

Written by Otto Hostettler

29. April 2009 at 14:39

Veröffentlicht in Google

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Google-Kalender: Abendessen mit «Schatzi»

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© Beobachter 2008/Otto Hostettler

Ein falscher Klick im privaten Google-Kalender – und sämtliche Termine sind für die ganze Welt einsehbar: ob Arztbesuch, Familientreffen oder romantisches Rendez-vous. Viele Nutzer der Online-Agenda ahnen nicht, dass ihr Privatleben ein offenes Buch ist.

«Das war ein Schock», sagt Claudia I. (alle Namen der Redaktion bekannt). Soeben erfuhr sie vom Beobachter, mit wem sie in den nächsten Tagen verabredet ist – exakt mit Zeit und Ort. Oder dass sie mit ihrem Arzt über ihre Tochter und die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gesprochen hat. Der Beobachter konnte ihr sogar sagen, bei welchem Arzt ihre Tochter geimpft wird.

Doch nicht nur der Beobachter hatte Zugriff auf diese persönlichen Angaben: Jedermann konnte die gesamte Online-Agenda von Claudia I. abfragen. Wie unzählige andere Internetnutzer eröffnete die Innerschweizerin bei der Online-Agenda von Google ein Konto und trug sämtliche privaten Termine ein. Nur: Als sie ihr Konto einrichtete, kreuzte sie fälschlicherweise die Option an, die den privaten Kalender öffentlich einsehbar macht.

Ganz offensichtlich wird diese Option von vielen Nutzern versehentlich gewählt – obschon Google darauf hinweist, dass der Kalender so künftig sogar in Google-Suchresultaten erscheinen wird. Diese Funktion ist eigentlich für jene gedacht, die ihre Veranstaltungstermine veröffentlichen wollen, etwa für Vereine. Doch eine Stichprobe zeigt: Wer in der Suchmaske des Kalenders beispielsweise «Arzttermin» eingibt und auf «Search public calendars» klickt, erhält Zugang zu Dutzenden persönlicher Agenden.

Rafael D., der immer dienstags den Englischunterricht besucht, neulich seinem «Schatzi» ein Abendessen kochte und am 21. November im Restaurant Ochsen mit Vertretern der Firma X essen geht, fällt aus allen Wolken, als er vom Beobachter auf seine öffentlich zugänglichen Daten aufmerksam gemacht wird: «Das wusste ich nicht, wie kann ich das ändern?»

Verbergen lässt sich der Kalender mit wenigen Klicks (siehe untenstehende Box «So bleibt Ihr Google-Kalender privat»). Beat F. jedenfalls hat seine Online-Agenda sofort gesperrt, als er erfahren musste, dass auch andere sehen können, wie er sich im Hinblick auf die Vorbereitung seines Armee-Wiederholungskurses mit seinem Kollegen D. R. über die «Schattenbuchhaltung» unterhalten hatte.

So bleibt Ihr Google-Kalender privat:
«My calendars» – «Settings» – den entsprechenden Kalender auswählen – Reiter «Share this calendar» – Kreuz bei «Make this calendar public» entfernen.

Written by Otto Hostettler

12. November 2008 at 08:04

Veröffentlicht in Datenschutz, Google, Konsum

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