Otto Hostettler's Blog

Posts Tagged ‘Lobbyismus

Warum ich mich gegen PR abgrenze

with 7 comments

Gibt es «gute» Lobbyisten und «böse» Lobbyisten? Nein, deshalb sollten wir Journalisten eine gesunde Distanz zu dieser Branche wahren.

twitterDie Twitter-Nachricht war an mich gerichtet: «ich freue mich auf eine Replik», schrieb Oliver Classen, hartnäckiger Themenplatzierer der NGO «Erklärung von Bern». Er verlinkte dazu einen Text über darbenden Journalismus und die Notwendigkeit von NGOs, den zusammengesparten Redaktionen mit eigenen Recherchen auszuhelfen. Auslöser seiner Rechtfertigung war eine Twitter-Meldung, in der er Anfang Jahr seine Teilnahme am  Recherchetag des Medienausbildungszentrums MAZ in Luzern ankündigte. Die Frage, die ich darauf via Twitter schrieb, drängte sich förmlich auf: Was hat eigentlich ein Lobbyist am Recherchetag der Schweizer Journalisten zu suchen? Classen war nicht Referent und er war auch nicht als Teilnehmer eines Podiumsgesprächs vorgesehen. Und Recherchieren muss er auch nicht mehr lernen. Der frühere Journalist und heutige NGO-Sprecher hat dies als Co-Autor des Buchs «Rohstoff, das gefährlichste Geschäft der Schweiz» bewiesen.

Also: Warum besuchte Classen einen Anlass, an dem sich Journalisten über Recherche  austauschen?  Die Antwort ist einfach. Classen kam wegen der Journalisten. Selten versammeln sich in der Schweiz so viele neugierige, motivierte Journalistinnen und Journalisten an einem Ort. Gegen 80 an der Zahl konnte er am Recherche-Anlass auf einen Schlag treffen. Um seine Themen in Schweizer Medien zu platzieren, braucht Classen Zugang zu Journalisten. An diesem Treffen standen für ihn Aufwand und Ertrag in einem traumhaften Verhältnis. Effizienter kann Lobbyismus kaum sein.

Die Frage ist durchaus selbstkritisch gemeint: Hätten wir Journalisten andere Lobbyisten auch an der Tagung teilnehmen lassen? Etwa Thomas B. Cueni, Cheflobbyist von Interpharma, Jürg Wildberger von Hirzel.Nef.Schmid-Konsulenten. Wie so viele Lobbyisten waren auch Cueni und Wildberger einst Journalisten. Wetten, dass ein Aufschrei durch die Medienszene erfolgt, wenn der Interpharma-Chef am Recherchetag aufkreuzt?

Classen sieht sich noch immer als Journalist, er ist sogar «konsterniert», mit klassischen Lobbyisten verglichen zu werden. Es gibt Journalisten, die sagen, er sei eben ein «guter» Lobbyist. Die «Erklärung von Bern», die sich für eine gerechtere Welt einsetzt, sei gar nicht so weit weg von der Tätigkeit eines «Beobachters», der sich «stark für die Schwachen» auf die Fahne geschrieben habe. Ja, der «Beobachter» wehrt sich mitunter anwaltschaftlich für die Interessen seiner Leser. Manchmal werden sie von Betrügern geprellt, manchmal von Behörden schickaniert oder drangsaliert. Dann setzt sich die Redaktion für sie ein, schreibt ihnen ein Gesuch um Akteneinsicht oder übergibt einen Musterbrief zur Beanstandung einer Abzocker-Rechnung. Andere Medien setzen sich beispielsweise für weniger Regulierungen im Finanzmarkt ein (Finanz und Wirtschaft) oder kritisieren die Allmacht der Banken (WOZ). Journalisten müssen meiner Meinung nach eine Haltung haben. Anders gesagt: Journalismus ohne Haltung ist haltlos. Praktisch jede Themensetzung von Journalisten ist letztlich Politik. Völlig vermessen ist nun aber, den «Beobachter» als Lobbyorganisation herbei zu argumentieren mit dem Ziel, die «Erklärung von Bern» als journalistische Kraft zu definieren.

Die «Erklärung von Bern» erfüllt – wie viele andere Lobbyorganisationen – aus ihrer Sicht unverzichtbare Arbeit. Sie recherchiert, bereitet Zahlen auf, sucht spannende Fallbeispiele, um eine gewünschte Situation treffend darzustellen. Letztlich tut sie das in der Hoffnung, via Medien eine Breitenwirkung zu erzielen. So arbeitet aber auch Interpharma, etwa wenn sie mit einer Wertschöpfungsstudie nachweist, wie wichtig die Pharmaindustrie als Arbeitgeberin für die Region Basel ist. Lobbyisten sind wichtige Input-Geber für Journalisten. Aber meiner Meinung nach gibt es keine «guten» oder «böse» Lobbyisten. Deshalb sollten wir auch eine gesunde Distanz zu dieser Branche wahren. Die Lobbyisten machen es genauso. Lobbyisten, die etwas auf sich haben, agieren zurückhaltend, nicht aufdringlich.

Die Selbstsicht von Classen deckt sich ausserdem in einem anderen Punkt vollständig mit derjenigen von anderen (zeitgemässen) Lobbyisten. Er nimmt für sich in Anspruch, ein «Informationsermöglicher» zu sein und kein «Informationsverhinderer». Aber: Angenommen, ein Journalist würde über einen Mobbingfall bei der «Erklärung von Bern» recherchieren oder über finanzielle Unstimmigkeiten in der Kasse der NGO. Wäre Classen dann auch ein «Informationsermöglicher»?

Am meisten aber stört mich an Classens Sicht, dass er sich als Demokratieretter aufspielt. Er behauptet allen Ernstes, die «Medienkrise» erzeuge «demokratierelevante Informationslücken». Er als PR-Journalist könne diese Lücke mit «nötiger PR» schliessen. Mit Verlaub, von was für einer «demokratierelevanten Informationslücke» spricht Classen? Machen Journalisten heute einen schlechteren Job als ihre Vorgänger in den 80er Jahren? Kaum. Klar, es hat sich einiges verändert in der Medienszene, das Geschäftsmodell von Zeitungen funktioniert nicht mehr wie vor 30 Jahren. Aber deswegen sind die Zeitungen nicht schlechter. Trotz aller Sparrunden gibt es heute in vielen Zeitungen immer wieder hervorragende Geschichten. Wie schon früher. Es gibt aber auch immer wieder Themen, die wir Journalisten verschlafen, leider. Wie früher auch schon. Sicher, wir können immer besser werden. Aber dass früher alles besser war, ist ein Mythos.

Ist «Para-Journalismus» eine Bereicherung?, fragt Oliver Classen schliesslich. Ja, zweifellos. Aber nicht für den Journalismus, sondern für die PR-Branche.

 

Die Twitter-Diskussion findet sich hier.

«Para-Journalismus als Bedrohung und/oder Bereicherung», Oliver Classen in der Medienwoche:
http://www.werbewoche.ch/zeitung/para-journalismus-als-bedrohung-undoder-bereicherung

 

 

Advertisements

Written by Otto Hostettler

19. Februar 2014 at 14:19

Mischler im Bundeshaus

leave a comment »

Sie nennen sich «Gäste» oder «persönliche Mitarbeiter» – in der Tat sind sie aber Lobbyisten. Für wen sie arbeiten, bleibt oft unklar. Eine unvollständige Liste.

Eine Stichprobe des «Beobachters» zeigt: Mindestens 25 PR- und Public-Affair-Firmen gehen im nicht-öffentlichen Teil des Bundeshauses ein und aus – klassische Lobby-Verbände wie Hauseigentümer, Gewerbeverband, Economiesuisse etc nicht eingerechnet. Die PR-Agenturen profitieren von einem Passus im Parlamentsgesetz, wonach jeder Parlamentarier zwei Personen Zutritt zum Bundeshaus gewähren kann. Diese Gäste müssen sich zwar registrieren, brauchen dabei aber nur ihren Namen und ihre Funktion bekannt zu geben. Kontrolliert werden diese Angaben von den Parlamentsdiensten aber nicht. Auch ihre Mandate und Auftraggeber müssen sie nicht offen legen.

In der aktuellen Liste der Zugangsberechtigten tauchen folgende PR-/Lobby-Agenturen auf:

 

Agentur  Mandate/Kunden (Eigendeklaration/Recherche Beobachter) 
Zenhäusern & Partner AG, Zürich Clariden Leu, TUI, Credit Suisse, Luzerner Kantonalbank, Swiss Quality Hotels International, Oracle Software, Matterhorn-Gotthard-Bahn, Walliser Kantonalbank, UBS, Privatbank IHAG, Versicherungen
Dynamics Group Forum Gesundheit, ?
Burson-Marsteller AG BAG (Kampagne Sensibilisierung Chemikalienkennzeichnung), Nuklearforum, ?
MLB Communications Marie-Louise Baumann, VR-Präsidentin Burson Marsteller, ?
Farner Consulting Swisscard AECS AG, Microsoft, Öko-Energie-Blog Basel, Post, Jobs.ch, Swisscom
Estermann Consulting ?
GEO Consulting Group AG ?
pluswert GmbH Umweltverbände, Seco, Bio Suisse, Pro Natura, WWF, Migros Bio, Fairtrade
ThinkArt Consulting ?
Köhler, Stüdeli und Partner GmbH Public Health (Dachorganisation Gesundheitsbereich), Galenica, Dachverband Komplementärmedizin, IG, Phytotherapie etc. 
PAE-PAC Public Affairs & Communications Metrobasel, trinationale Region, zuständig für Beziehungen zum Bund
Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten TCS, Saab (Grippen), ?
Furrer.Hugi&Partner AG Aldi, Google, Post, Auto-Schweiz, FMH, Mc Donald’s, Swisscom, Swisslos, Verband Schweizer Vermögensverwalter, SRG IG Seltene Krankheiten
Rohr Communications Ägyptisches Tourismusministerium, Swisscom, Avenir Suisse, J.P. Morgan Privat Bank, Deutsche Telekom, Miss Bern
Studerus und Partner AG, Zug AVES, Aktion für eine Vernünftige Energiepolitik
Maurer Partner Communication AG Ciba Spezialitäten Chemie, Swiss DRG (Vereinigung im Gesundheitsbereich zur Einführung der Fallpauschalen), Domicil (Altersheime), Entente Bernoise
KM Konsulta ?
Büro für Sprache und Politik Seilbahnprojekt Rothenflue
Ecopolitics GmbH Angestellte Schweiz, Erklärung von Bern, Greenpeace, Krebsliga, Pro Nautra, Sanu, Schweizer Tierschutz, Energiestiftung, Fischerei-Verband, VCS, WWF
Hotz Communications AG Familienplattform, Politarena
Dreizweieins.ch Steg Computer, Wasserkraftwerk EnBAG (Simplon), SwissFur, Bankiervereinigung, Pensionskassenverband ASIP, Matterhorn-Gotthard-Bahn
Swiss Communication Agency Handelskammer Lugano, Swiss Venture Club, Publicita Svizzera Italiana
Mueller Consulting & Partner ? (div. Gesundheit, Pharma, Finace, Retail, Energie, Verkehr, Sicherheit)
Peron Campaigns ?

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Beobachter 18/2013.

Wie die Lobbyfirmen auf die Arbeit der Kommissionen von Naitonal- und Ständerat einfliessen, zeigt «Der Befangenenchor» (Beobachter 21/2012).

Written by Otto Hostettler

4. September 2013 at 16:02

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft

Tagged with , , , ,

Lobbys drängen ins Schulzimmer

leave a comment »

Lobbyismus an Schulen hat ein «alarmierendes» Ausmass angenommen.  Zu diesem Schluss kommt die deutsche Organisation Lobbycontrol und fordert, die Firmen und Interessenverbände aus dem Unterricht zurückzudrängen.

lobbyinschule KopieDie Wirtschaft nimmt immer stärker Einfluss auf den Unterricht an Schulen. Kein Wunder: Hier sitzen die Konsumenten morgen. Firmen und Interessenverbände publizieren Unterrichtsmaterialien, veranstalten Schulwettbewerbe oder bilden Lehrer fort. Die deutsche Non-Profitorganisation Lobbycontrol kommt in einer Analyse zu einem klaren Schluss: «Es geht es nicht um Erkenntnis oder Bildung, sondern um Meinungsmache und Marketing.» Die indirekte Lobbyarbeit an Schulen sei «alarmierend». Denn: «Die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche wird professionell organisiert und ist Teil umfassender und langfristiger Lobbystrategien.» Gleichzeitig hätten die gesetzlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Mechanismen mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten.

Beispiele dazu finden sich auch in der Schweiz – und kaum jemand scheint sich daran zu stören. Jahrelang schon bietet etwa die Erdölvereinigung einen Ausbildungsordner für Schulen an. Und die anfängliche Kritik am landesweiten Projekt «Schulen ans Internet» der Swisscom ist längst verstummt. Nicht zuletzt, weil Gemeinden und Kantone dem Bildungsbereich landauf landab Sparprogramm nach Sparprogramm diktieren. Viele Schulen waren deshalb der Swisscom dankbar, den Zug ins digitale Zeitalter nicht komplett verpasst zu haben. Von den gleichzeitig angebotenen pfannenfertigen Arbeitsblätter, Ratgeber und anderen Unterrichtsmaterialien spricht kein Mensch. Ähnlich im Energiebereich: Die Vereinigung der Schweizerischen Elektrizitätswerke VSE, in dem die AKW-Betreiber Axpo und BKW den Ton angeben, betreibt zur Einflussnahme auf Schulen unter dem Namen poweron sogar eine eigene Internetplattform. Hier bietet die Stromlobby Unterrichtsmaterial für Kinder ab 9 Jahren an, so genannte «E-Dossiers», und deckt die Lehrerschaft auch gleich mit dem dazu gehörigen «didaktischen Leitfaden» ein.

Lobbycontrol Deutschland zitiert in diesem Zusammenhang die Pisa-Studie 2006, wonach bereits 87,5 Prozent der 15-Jährigen eine Schule besuchen, an der Wirtschaft und Industrie Einfluss auf die Lerninhalte ausüben würden. Die Schulhaustür öffne sich ohnehin relativ leicht. Dazu müsse ein Interessensverband lediglich einen Mangel im Bildungswesen thematisieren und anschliessend mit passenden Lerninhalten bereit stehen. Als Beispiel nennt die Organisation den Bankenverband, der 2012 eine Jugendsstudie präsentierte. Das wenig erstaunliche Fazit: Fast bei jedem zweiten Jugendlichen gebe es grössere Defizite im Verständnis von Wirtschaft und im Wissen über Wirtschaftsthemen. Ähnliche Studien über angebliche Mängel im Bilidungssysstem gebe es zuhauf. Der Grund liege darin, das Engagement von Unternehmen und Verbänden an Schulen «argumentativ zu untermauern». In der Analyse schreibt Lobbycontrol: «In der Öffentlichkeit werden diese Studien selten hinterfragt und meist unkritisch wiedergegeben.»

Die Schulen sind für Lobbys deshalb zentral, weil dort nicht nur Werbung betrieben werden kann und Nachwuchskonsumenten sind finden sind, sondern auch weil sie mit Unterrichtsmaterialien Einfluss auf wichtige gesellschaftliche Themen nehmen können – motiviert von privaten geschäftlichen Interessen. Daraus entsteht einseitiges Lehr- und Lernmaterial und die ohnehin bestehende Ungleichheiten im Bildungssystem werden weiter vergrössert. Für Schulen mit knappen finanziellen Mitteln sind die ansprechenden Unterrichtsmaterialen verlockend. Lobbys schicken aber auch «Experten» ins Klassenzimmer und organisieren ausserhalb der obligatorischen Schulzeit Wettbewerbe und Spiele.

Weil der Einfluss auf den Inhalt der Schule weiter voranschreite, fordert Lobbycontrol in einem offenen Brief an die Bildungsministerien der Bundesländer:

  • Finanzierung von Unterrichtsmaterial offen legen. Lehrer, Schüler und Eltern müssen auf den ersten Blick erkennen, von wem das Material stammt und wessen Interessen darin vertreten werden.
  • Aufsichtsstellen und Schulen müssen komerzielle Kooperationen besonders kritisch prüfen. Denn Kooperationen können zu Abhängigkeit und mangelnder Distanz führen.
  • Werbung umfassend verbieten. Schulen müssen in der Lage sein, aktuelle Schulbücher zu kaufen, ein modernes Chemielabor einzurichten und einen Computerraum gut auszustatten.
  • Zukünftige Lehrkräfte müssen bereits in der Ausbildung für die Gefahren der Einflussnahme sensibilisiert werden.

Hier findet sich das Diskussionpapier «Einflussnahme auf den Unterricht und was man dagegen tun kann».

Wer kennt weitere Beispiele von auffälligen Unterrichtsmaterialen?  Bitte hierhin senden: otto.hostettler@beobachter.ch

 

 

Written by Otto Hostettler

1. Mai 2013 at 13:10

Lobbyisten lobbyieren in eigener Sache

leave a comment »

Jetzt wollen sogar Lobbyisten transparenter werden. Die PR-Branche fordert, wer Zugang zum Bundeshaus haben will, solle seine Interesse offen legen müssen. Die Taktik ist klar: Mit ihrem Vorschlag wollen sie noch strengere Regeln verhindern.

Es herrscht die totale Intransparenz: Mit ein bisschen Ideenreichtum kann sich heute jedermann Zutritt zur eigentlich nicht öffentlichen Wandelhalle verschaffen. Jetzt fordert sogar der Verband der grossen PR-Firmen eine klarere Regelung. Der Bund der Public Relations Agenturen, hinter dem einflussreiche Agenturen wie Burson Marsteller, Farner Consulting und Furrer.Hugi&Partner stehen, verabschiedete ein «Positionspapier» mit dem Titel «Die PR-Branche bekennt sich zur Transparenz beim Lobbying». Die Lobbyisten-Organisation schlägt eine offizielle Akkreditierung für Interessenvertreter von Wirtschaft, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen vor, die weit über die heutige Regelung hinaus gehen würde. Public-Affair-Mitarbeiter von Firmen, Verbänden und Organisationen müssten ihren Arbeitgeber offen legen. Mehr noch: Auch die Mandate der Agentur müssten die Lobbyisten künftig deklarieren.

Heute kann sich praktisch jedermann Zugang zu den politischen Entscheidungsträgern verschaffen. Zur Wandelhalle des Bundeshauses haben fünf Mal so viele Personen Zutritt wie Parlamentarier: Jeder Nationalrat, jede Ständerätin kann zwei Personen einen Gästeausweis übergeben. Dazu kommen Medienschaffende von Tageszeitungen, Radio und Fernsehen. Eine weitere Kategorie umfasst noch einmal fast 300 «Journalisten». Diese Personen arbeiten für Verbandspublikationen und PR-Zeitschriften, ihre Tätigkeit ist nicht genau definiert, die Liste wird nicht veröffentlicht, wie der Beobachter berichtete. Genauso intransparent ist die Tätigkeit von ehemaligen Bundesparlamentariern. Nach ihrem Rücktritt haben sie weiterhin Zutritt zum Bundeshaus, zurzeit haben 385 ehemalige National- und Ständeräte eine solche Zugangskarte. Für wen sie arbeiten, müssen sie nicht deklarieren.

Bisher scheiterten praktische alle Bestrebungen, mehr Licht in die Tätigkeit der Lobbyisten zu bringen. Doch das Thema kommt nicht zur Ruhe, bereits liegt der nächste politische Vorstoss auf dem Tisch. Weshalb aber will die PR-Branche ausgerechnet jetzt den Zutritt neu regeln, wenn doch das Parlament in absehbarer Zeit erneut darüber diskutieren wird? Dem Parlament müsse «die Angst vor einer Lobbyistenschwemme genommen werden», argumentiert der Verband.

Die Taktik der PR-Branche ist offensichtlich: Eine eigene Regelung könnte eine – möglicherweise strengere – Vorgabe des Parlaments verhindern. Das öffentliche Register, das den PR-Leuten vorschwebt, würde lediglich auf einer Selbstdeklaration beruhen. Chapeau: bestes Lobbying in eigener Sache.

 

Written by Otto Hostettler

15. November 2012 at 16:55

Lobby-Agentur wettert über kritische Journalisten

with one comment

Eine prominente Lobby-Agentur wettert auf Twitter über kritische Journalisten – und leistet sich einen peinlichen Faux-pas.

«Der Befangenenchor» titelte der Beobachter zum Thema Lobbyismus im Bundeshaus. Denn: Zur Wandelhalle des Bundeshauses haben fünfmal soviele «Gäste» Zutritt wie Parlamentarier. Zu diesem Schluss kam der Beobachter in einer umfangreichen Erhebung zum Thema Lobbyismus. Dabei analysierte der Beobachter die Verbindungen zu Interessengruppen und Verbänden nicht nur aus quantitativer, sondern auch aus qualitativer Sicht: Wer verfügt über wirksame, wer über weniger wirksame Beziehungen.  Entstanden ist das hier.

Bei Lobbyisten und Verbänden kam der Artikel offensichtlich nicht gut an. Andreas Hugi, Inhaber der einflussreichen Lobby-Firma Furrer.Hugi&Partner, die gleich mit drei Personen ständigen Zutritt zum Bundeshaus hat und unter anderem auch im Gesundheitswesen aktiv ist, bezeichnete die Titelgeschichte des Beobachters als «dröges, inhaltsleeres Lobbyistenbashing». Der Firmeinhaber persönlich wirft dem Beobachter über Twitter vor, der Artikel strotze vor Fehler. Was konkret falsch ist, behielt Hugi für sich. Aber ausgerechnet in dieser Passage unterlief ihm ein peinlicher Fehler: Der Artikel «stotzt vor Fehler», tippte er husch husch in die Twitter-Meldung.

Written by Otto Hostettler

26. Oktober 2012 at 18:28

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik

Tagged with , ,