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Nesquik: Zuckerbombe bleibt Zuckerbombe

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Bescheidenheit ist nicht eine ausgeprägte Eigenschaft des Nahrungsmittelmulti Nestlé. In einer neuen Aktion mit dem vielverkauften Schokopulver Nesquik kündigt der Konzern grossmundig «Das Nesquik Versprechen» an: «Die Gesundheit der Kinder ist Ihnen und uns ein grosses Anliegen». Deshalb werde der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen im Kakaopolver laufend verbessert. Fazit des Versprechens: «Neue Rezeptur, gleicher Geschmack». Diese Sichtweise erinnert an die unsägliche Ernährungspyramide mit lauter Nestlé-Produkten, die der Konzern als objektive Gesundheitsinformation streut.

Doch was genau hat sich an der Rezeptur des vielverkauften Schokopulvers geändert? Nesquik enthält angeblich noch mehr Vitamine, Eisen und Magnesium. Die Verpackung ist vollgepflastert mit Hinweisen, wie wichtig diese Stoffe gerade für die Entwicklung von Kindern sind. Für deren Knochen, für deren Blutbildung und – alle Achtung – für deren Zähne.

Und wie war das mit dem Zucker? Wurde angesichts der immer häufiger übergewichtigen Kinder und Jugendlichen mit der neuen Rezeptur auch der Zuckeranteil reduziert? Ja, heisst es am Firmensitz des Nahrungsmittel-Multis. Allerdings beträgt die Reduktion nur gerade bescheidene 1,3 Gramm pro 100 Gramm Nesquik. Neu sind es (auf 100 Gramm Pulver) «nur» noch 76,7 Gramm, statt wie bisher 78 Gramm Zucker.

Auf Deutsch: Nesquik besteht weiterhin zu über Dreiviertel aus purem Zucker. Damit bleibt Nesquik weiterhin das, was es schon bisher war – und leider nirgendwo auf der Verpackung steht: Eine Zuckerbombe. Ein schwacher Trost: Auch andere Hersteller rechnen ihre Produkte schön stellen ihre Produkte besser dar, als sie tatsächlich sind.

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(Bild: Nestlé)
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Written by Otto Hostettler

8. Januar 2010 at 11:57

Ernährungslehre à la Nestlé

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Nestlés brilliante PR-Abteilung: Öffentliche Institutionen wie das Spitalzentrum Biel verbreiten eine fragwürdige Werbe-Broschüre des Nahrungsmittelmultis.

pyramideLehrerinnen predigen die wissenschaftlich abgestützte Ernährungspyramide mittlerweile in jedem Kindergarten, jetzt macht sich auch Nestlé die breit akzeptierte Darstellung von gesundem Essen zu Nutze. Aber: Der Nahrungsmittelkonzern hat die Ernährungspyramide kurzerhand zu Firmenzwecken optimiert. Entstanden ist eine ratgebermässig aufgemachte PR-Broschüre unter den Titel «Verdauung gut – alles gut!».

Die wissenschaftliche Ernährungslehre stellt der Konzern so dar, dass man sich mehr oder weniger ausschliesslich mit Nestlé-Produkten ernähren soll kann. Die Pyramide basiert auf Wasser (Vitel, Contrex, San Pellegrino), Bouillon (Maggi) oder Kaffee (Nestcafé-Gold, Incarom, Nespresso). Bei der Ebene mit den Früchten und Gemüsen finden sich die Tiefkühlprodukte aus eigenem Haus (Findus). Weiter oben sind die Cornflakes (Nestlé-Fitness), Joghurt (LC1), Polenta (Maggi) oder Hamburger (Findus). Natürlich fehlen auch Mayonnaise (Thomy) und Süssgetränke (Nestea) nicht. Auf dem Gipfel platzierte Nestlé Cailler-Schokolade, Staldencrème, Pralinato-Glacé und ähnliches.

Auf der schönen Grafik steht aber kein Wort vom hohen Zuckergehalt der Cornflakes, kein Wort vom hohen Salzgehalt in den Fertigprodukten, kein Wort vom übermässigen Fett in der Mayonnaise und kein Wort von der verkappten Zuckerbombe Eistee. Würde Nestlé die ungesunden Nährwerte ausserdem mit dem Ampelsystem darstellen, wären auf den Produkten der Nestlé-Ernährungspyramide gleich eine Reihe roter Punkte zu vergeben. Doch die Nahrungsmittel-Industrie sträubt sich bekanntlich weiterhin, den Konsumenten übersichtliche Informationen zu liefern. Viel lieber stellt die Industrie ihre Produkte als gesund dar, statt den Kunden reinen Wein einzuschenken.

Ganz offensichtlich fallen auch Fachleute auf die als sachliche Übersicht aufgemachte PR herein. Zu finden ist das Nestlé-Produkteprogramm nämlich auch in öffentlichen Spitälern, beispielsweise im Spitalzentrum Biel. Mitten in den Faltblättern der zahlreichen nichtkommerziellen Beratungsstellen für Herz, Ohren, Augen, Übergewicht, Diabetes, werdende Mütter etc.

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Written by Otto Hostettler

14. August 2009 at 11:25