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Versteckspielen mit Nestlé

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Nestlés Kinder-Frühstücksflocken sind in vielen Fällen kräftige Zuckerbomben. Daran ändert auch der neuste PR-Feldzug des Nahrungsmittel-Konzerns nichts.

2013-01-23 16.13.20Die neuste Inseratekampage des Nahrungsmittel-Multi Nestlé suggeriert: Jetzt ist alles anders. «Weniger als 9 g. Zucker pro Portion», prangt in grossen Buchstaben. Dazu der Claim: «Die Lieblingscerealien Ihrer Kinder haben jetzt eine verbesserte Rezeptur …» Auf den Verpackungen prangt zudem prominent der Hinweis, die süssen Flakes würden 36 Prozent Vollkorn enthalten («Lion»).

Tönt gut. Aber: Wo ist der Zucker nur geblieben? Natürlich in den Frühstücksflocken. Die Flakes  «Lion» bestehen auch heute noch zu über einen Viertel aus purem Zucker (siehe hier). Trotz der von Nestlé gelobten «neuen Rezeptur». Vorher war es einfach noch schlimmer: Bisher vor kurzen hatten die «Lion»-Cerealien einen Zuckeranteil von über 35 Prozent. Bildlich ausgedrückt: Wer eine mittlere Schale Frühstücksflocken ass (50 Gramm), schluckte bisher auch gleich über vier Stück Würfelzucker. Neu sind es nur noch knapp vier Stück Würfelzucker.

Die neuste Werbebotschaft basiert – einmal mehr – auf schön gerechneten Fakten. Nestlé wählt die Portionengrösse so klein, dass der Anteil Zucker auf weniger als 10 Gramm fällt. Das klingt es fast so, als würde der Nahrungsmittel-Multi die Forderung der deutschen Konsumentenorganisation Foodwatch erfüllen. Sie verlangte jüngst, Frühstücksflocken sollten nicht mehr als 10 Prozent Zuckern enthalten. Jetzt prangt auf den Nestlé-Inseraten eine «9». Doch Nestlé spricht in der neusten Werbung nicht von Prozenten, sondern von Gramm. Diese bezieht sich auf eine – extrakleine – Portion von 30 Gramm. Diese Schönrechnungs-Methode wendet die Industrie bereits seit einigen Jahren an – offensichtlich erfolgreich (siehe hier).

 

Soviel Zucker enthalten Nestlé-Kinder-Frühstücksflocken:

Lion

Anteil Zucker neu: 29,2 % (bisher: 35,2%); entspricht fast 4 Stk. Würfelzucker (bisher fast 5 Stk)*

Nesquick Duo 

Anteil Zucker neu: 25% (bisher: 30.9%); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher fast 4 Stk)*

Nesquick  

Anteil Zucker neu: 25,2 % (bisher: 30,4 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher fast 4 Stk)*

Cookie Crisp

Anteil Zucker neu: 24,2 % (bisher34,4 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher über 4 Stk)*

Cini Mini    

Anteil Zucker neu 25,1 % (bisher: 32,1 %); entspricht 3 Stk Würfelzucker (bisher 4 Stk)*

 

*) bei einer mittleren Frühstücksportion (50 Gramm)

(Zuckeranteil gemäss Angaben von Nestlé)

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Written by Otto Hostettler

23. Januar 2013 at 16:33

Hipp: es geht auch ohne Zucker

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Zuerst der gezuckerte Kinder-Tee, jetzt die viel zu süssen Kinder-Frühstücksflocken: Hipp nimmt nach Kundenprotesten gleich zwei Produkte vom Markt.

Jetzt auch noch die «Knusperflakes»: Hipp stellt die Produktion von einem weiteren gezuckerten Kinderprodukt ein, wie die deutsche Konsumentenorganidation Foodwatch meldet. Die «Knusperflakes» wurden vom Baby- und Kindernahrungsmittelkonzern auch in der Schweiz verkauft, sie bestanden zu über einem Drittel aus purem Zucker (35 Prozent). Wer also eine mittlere Schale dieser Flocken isst, verschlingt auch unbewusst vier Stück Würfelzucker.

Nach breiter Kritik von Konsumenten hat die Firma Hipp, Herstellerin von Baby- und Kindernahrungsmitteln, bereits den Rückzug ihres Kinder-Früchtetee angekündigt. Der Instant-Tee, der explizit für Kleinkinder ab 8 Monaten gedacht ist und als «Durstlöscher» angepriesen wurde, enthält in einer 2-dl-Tasse mehr als zwei Stück Würfelzucker. Ernährungsfachleute bezeichnen solche gezuckerten Getränke als ungeeignet für Kleinkinder. Die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch verlieh Hipp für dieses Produkt sogar das Prädikat «dreisteste Werbelüge des Jahres» und deckte die Kindernahrungsspezialistin mit Sitz in der Schweiz mit tausenden Beschwerde-Mails ein.

Den Tee-Rückzug kündigte der Konzern nur versteckt an, in einer Meldung über einen neuen Kinder-Tee im Beutel – «ganz ohne Zuckerzusatz». Ganz nebenbei heisst es, dieser neue Tee im Beutel ersetze den bisherigen Instant-Tee, dessen Produktion «bis Ende Jahr eingestellt» werde. Die lapidare Begründung: «Viele Eltern wurden durch die öffentliche Kritik im Zuge der Zuckerthematik in jüngster Zeit verunsichert.»

Es kommt Bewegung in die Zucker-Produktepalette: Zuvor verkündete bereits Nestlé, bei ihren Kinder-Frühstücksflocken  nächstes Jahr den Anteil Zucker zu reduzieren. Dies klingt zwar gut, in der Realität sind die «Cini Mini», «Lion» & Co aber noch immer sehr süss («Das Dessert schon zum zMorge»). Kein Wunder: «Frühstücksflocken sind von der Zusammensetzung her nichts anderes als zerbrochene Guetsli, die in Milch aufgelöst werden», sagt die Aargauer Ernährungsberaterin Franziska Widmer, Vizepräsidentin des Fachverbands Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Written by Otto Hostettler

22. November 2012 at 07:32

Das Dessert schon zum zMorge

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Nestlé senkt den Zuckeranteil 
in Frühstücksflocken. Nun sind sie nicht mehr extrem süss, 
sondern nur noch sehr süss.

Jüngst hat Nestlé vollmundig angekündigt, ab 2013 den Zuckergehalt in ihren fünf Frühstücksflocken für Kinder um bis zu 29 Prozent zu senken. Das klingt gut. Doch die absoluten Zahlen relativieren die Sache: Alle fünf Nestlé-Sorten werden auch künftig zu über einem Viertel ihres Gewichts aus purem Zucker bestehen. «Lion» beispielsweise kommen noch immer auf einen Zuckeranteil von fast 30 Prozent.

Die Aargauer Ernährungsberaterin Franziska Widmer spricht zwar von einem «positiven Zeichen», sagt aber: «Realistischerweise lösen wir damit das Problem der übergewichtigen Kinder nicht.» Die Industrie habe «eine sehr starke Stellung», sie gehe leider nur «in winzigen Schrittchen» vorwärts. Immerhin stagniere seit drei Jahren der Anteil übergewichtiger Kinder, sagt die Vizepräsidentin des Fachverbands Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

«Solche Reduktionen entstehen entweder unter Druck der Konsumenten oder sind reine Marketingmassnahmen», sagt Heinrich von Grünigen, Präsident der Adipositas-Stiftung. Er ist überzeugt, dass die Nahrungsmittelkonzerne damit bloss versuchen, «regulatorischen Massnahmen» zuvorzukommen. So auch Nestlé.

Der Schweizer Multi betont ständig, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung sei. Entsprechend dick trägt er in der Werbung auf: «‹Lion› garantiert einen super Start in den Tag.» Und: «Ernährungsexperten empfehlen ein Frühstück auf der Basis von Getreide.» Da Nestlé-Flocken 35 Prozent Vollkorngetreide enthalten, preist die Firma die Zuckerbomben kühn als «vollwertig».

Was Nestlé nicht sagt: Einzelne Flocken bestehen aus mehr Zucker als Vollkorn. So stecken in den beliebten «Cini Mini» pro 30-Gramm-Portion acht Gramm Vollkorn­getreide – und 9,6 Gramm Zucker. Das Problem dabei: Die wenigsten Konsumenten – und Kinder schon gar nicht – sind sich bewusst, dass sie bei einer mittelgros­sen Schale dieser «Cini Mini» (50 Gramm) vier Stück Würfelzucker essen.

«Viel Zucker bringt viel Umsatz»

«Frühstücksflocken sind von der Zusammensetzung her nichts anderes als zerbrochene Guetsli, die in Milch aufgelöst werden», sagt Ernährungsberaterin Widmer. Zum Vergleich: Selbst wer statt Flocken eine Mousse au Chocolat zum Zmorge essen würde, nähme nicht mehr Zucker zu sich.

Den vollständigen Artikel findet sich im Beobachter 23/2012.

Bild: © Ildi – Fotolia.com
 

Written by Otto Hostettler

19. November 2012 at 17:42

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